München/Frankfurt/Main – Fakten, die nicht für den EHC RedBull München als Meister sprechen: Es gibt sie. Und dass, obwohl das Team von Don Jackson in so überlegener Manier durch die Hauptrunde der DEL gepflügt ist. Zum Beispiel eine historische Statistik. In insgesamt 41 Titelentscheidungen um die Deutsche Eishockey Meisterschaft triumphierte am Ende nur 19 Mal der Beste der Hauptrunde.
Insgesamt 13 Mal gewann sogar ein Team den Titel, das nicht mal als Zweiter ins Rennen gegangen war. Gegen ein solches wird der EHC auch nächste Woche in die Playoffs einsteigen. Es geht entweder gegen die Düsseldorfer EG oder die Löwen Frankfurt, die in Maximal drei Spielen den Viertelfinaleinzug ermitteln. Düsseldorf hatte die Hauptrunde als Siebter abgeschlossen, Frankfurt als 10..
Doch die Saison des Aufsteigers als Hessen ist ohnehin ein kleines Eishockeywunder, selbst wenn am Ende die DEG oder EHC eine Nummer zu groß sein sollte. Denn eigentlich waren die Löwen bei ihrem Comeback in der DEL dem eigenen Saison-Motto zufolge nur „gekommen, um zu bleiben“. Doch nach dem bereits Mitte Februar sichergestellten Klassenverbleib haben sie sich am Ende einer tollen Hauptrunde für die Pre-Playoffs qualifiziert. In den vier bisherigen Saisonduellen mit Düsseldorf verbuchten die Frankfurter je zwei Siege und Niederlagen.
Im Herbst hätte mit einem solchen Saisonsieg wohl niemand gerechnet. Schließlich war die Sommerpause nach der Meisterfeier in der DEL2 kurz und die Umstellung auf die deutlich schnelleren Spiele in der Beletage groß. Dennoch gerieten die Löwen nie in Abstiegsgefahr. „Wir sind vielleicht nicht so talentiert wie andere, aber wir haben den Willen und sind bereit, hart zu arbeiten“, sagte Cheftrainer Gerry Fleming. Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier zog daher eine positive Bilanz. „Wir haben immer das Nötigste gemacht, um im gesicherten Mittelfeld zu bleiben, und großen Spirit bewiesen“, lobte er. Mit „großem Zusammenhalt“ und „voller Energie“ habe man das Bestmögliche herausgeholt und den Fans „einige Highlights“ wie zuletzt den 3:2-Derbysieg gegen den Erzrivalen Adler Mannheim beschert.
Mit Ausnahme der Kölner Haie konnten die Löwen jedes Team mindestens einmal besiegen. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass der 42 Jahre alte Strippenzieher Fritzmeier nicht mit allem einverstanden war, was sein kanadischer Trainer machte. „Ich hätte mir manchmal erhofft, dass das Team besser eingestellt gewesen wäre“, monierte er. Ein weiterer Kritikpunkt: In Phasen, in denen es gut lief und deshalb wenig Druck da war, hätte er sich mehr Einsatzmöglichkeiten für die jüngeren Spieler gewünscht, um diese weiterzuentwickeln. Denn der Tölzer, dessen Vertrag im Dezember bis 2026 verlängert wurde, hat seit seinem Amtsantritt Ende 2017 die langfristige Perspektive im Blick. In dieser Saison sei der Plan aufgegangen. „Wir wollten einen erfahrenen Trainer und sind super reingekommen“, sagte Fritzmeier. Doch nach der Spielzeit sollen sich die Wege von Fleming und den Löwen schon wieder trennen, auch wenn der Sportdirektor das offiziell nicht bestätigt.
Womöglich endet die kanadisch-hessische Zusammenarbeit ja gegen den EHC. So oder so: Es war eine erfolgreiche. dpa