Mit Vollgas in die Gefahrenzone

von Redaktion

Die Münchner Hochgeschwindigkeits-Flügelzange Davies und Coman kann zum Trumpf werden

München – Kingsley Coman war im Achtelfinal-Hinspiel gegen Paris Saint-Germain mal wieder der Königsklassen-Held. Mit seinem 1:0-Siegtreffer gegen die Franzosen machte er die Viertelfinal-Tür zumindest einen Spalt weit auf.

Im entscheidenden Rückspiel am Mittwoch in der Allianz Arena (21 Uhr, DAZN) kann der „King“ mit seiner Geschwindigkeit wieder zum Bayern-Trumpf werden. „Der Plan der Münchner, häufig über die Flügel in den Sechzehner zu kommen, ging in Hälfte eins und bis zum 0:1 (53.) sehr gut auf. Die hohen Außenbahnspieler Joao Cancelo und Kingsley Coman konnten wiederholt nach schnellen Spielverlagerungen flanken“, lautet die Nachbetrachtung von Markus Brunnschneider, der Leiter des Fachbereichs Spiel-Analyse am Internationalen Fußball Institut.

Und was bedeutet das für das Rückspiel? Der Fachmann erklärt: „Für die eigene Offensive gilt: Gelingt es den Bayern durch Tiefenläufe aus den Halbräumen die äußeren Mittelfeldspieler von PSG zu binden und gleichzeitig Räume auf den Flügeln für die Schienenspieler Davies oder Cancelo und Coman zu schaffen, bekommen sie Chancen.“

Dank der hohen Flügelzange könnten die Münchner entweder direkt „die mit meist vier Spielern besetzte Box anspielen oder durch ihre individuelle Qualität die Eins-zu-eins-Situationen erfolgversprechend auflösen“.

In der Praxis könnte das wie folgt aussehen: Dayot Upamecano spielt einen Diagonalball in die Gefahrenzone (Grafik), Leon Goretzka geht im Mittelfeld tief und schafft so Räume für die Flügelflitzer. Brunnschneider führt aus: „Im Spiel mit Ball überspielten sie im Hinspiel mit ihrer Dreierkette die erste Angriffslinie der Franzosen aus Lionel Messi und Neymar schnell und einfach.“

Und wie muss sich die Defensive staffeln, um X-Faktor Kylian Mbappé in Schach zu halten? „Die Münchner müssen mutig und konsequent hoch pressen, damit sie vor allem die kontrollierten Anspiele von PSG in die Tiefe bereits in der Entstehung unterbinden. Kann Paris die individuelle Qualität eines Mbappé, das heißt in erster Linie seine Schnelligkeit, ausspielen, ist die Gefahr groß, dass sie das Duell drehen“, lautet der Ratschlag des Taktik-Experten. Stoppen soll ihn Josip Stanisic. Er sei „sehr verlässlich, er spielt – und das ist maximal positiv gemeint – seinen Stiefel runter, weiß, was er bringen muss, hat eine gute Geschwindigkeit, ist ein guter Fußballer, aber übertreibt es nicht und weiß, was seine Aufgabe ist“, sagte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann. Aufgrund der Sperre von Benjamin Pavard aus dem Hinspiel (1:0) habe Stanisic „aktuell die Nase vorn“ auf der Position des Rechtsverteidigers.

Darüber hinaus sollten die Münchner in der Vorwärtsbewegung Ballverluste vermeiden – und ihre Angriffe konsequent zu Ende spielen. Nach der Einwechslung von Mbappé sei das Anlauf-Verhalten passiver als zuvor gewesen. Sattdessen wurde laut Brunnschneider auf ein Mittelfeld-Pressing gesetzt: „Dadurch konnte PSG seine Angriffe gezielter starten.“ Diesen Bruch im Spiel sollten die Spieler des FC Bayern heute vermeiden. MANUEL BONKE

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