München – „Ich liebe Sie!“ Mit diesen Worten wurde Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß gestern von einem Schüler der Dominik Brunner Realschule verabschiedet. Zuvor nahm der 71-Jährige als Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums der Dominik-Brunner-Stiftung an der Veranstaltung „Pack ma’s – für eine Schule ohne Gewalt teil“ – und sprach im Interview.
Herr Hoeneß, Fans des TSV 1860 haben angekündigt, morgen ins Stadion zu kommen und Paris lautstark unterstützen wollen.
Ich glaube nicht, dass sie viel anfeuern können, weil sie keine Tickets haben.
Was erwarten Sie für ein Spiel gegen PSG?
Es geht für beide Mannschaften um extrem viel. Ich finde für Paris sogar um ein bisschen mehr: Das ganze Geld, das in den letzten Jahren in den Club gepumpt wurde, das sollte ja irgendwann einmal zum Champions-League-Sieg führen. Je länger sich dieses Ziel hinaus zögert, desto nervöser werden die in Katar. Wir sind unter Druck, keine Frage, aber die noch ein bisschen mehr.
In Kylian Mbappé hat Paris den Unterschiedsspieler schlechthin auf dem Platz.
Das ist halt so. Für mich gibt es zwei Gesichter von PSG: mit und ohne Mbappé. Das haben wir in Paris erlebt. Die erste Stunde war ja nix, da haben sie in der ersten Halbzeit nicht mal auf unser Tor geschossen. Da habe ich gedacht: Hoppala, was ist hier denn los? Aber als Mbappé dann reinkam, war es ein anderes Spiel. Ein kleiner Vorteil ist, dass wir mit 1:0 führen. Hätten wir das Hinspiel verloren, hätten wir irgendwann aufmachen müssen. Und dann gibst du ihm noch mehr die Räume. So müssen wir das nicht tun. Für seinen Sprint braucht Mbappé nämlich schon Anlauf. So müssen die jetzt kommen, weil sie ja ein oder zwei Tore schießen müssen. Das kann unsere Chance sein.
Im Falle eines Ausscheidens dürfte die Luft für Julian Nagelsmann als Trainer dünner werden.
Ich finde diese ganze Kampagne lächerlich! Manchmal hat man das Gefühl, wir sind im Abstiegskampf. Natürlich sind wir es beim FC Bayern gewohnt, dass wir mehr Punkte Abstand im Kampf um die Meisterschaft haben. Aber wir sind nach wie vor Tabellenführer, sind im Pokal-Viertelfinale und in der Champions League: Es sind nach wie vor alle Ziele erreichbar. Ich verstehe das alles nicht. Er hat sich meiner Meinung nach nichts zu Schulden kommen lassen.
In Gladbach hat er die Schiedsrichter „weichgespültes Pack“ genannt.
Jeder von uns kriegt das Recht, mal einen Ausrutscher zu haben. Das war für mich ein Ausrutscher. Er hat sich entschuldigt und damit ist die Sache für mich erledigt.
Thomas Müller stand nach seiner Auswechslung in Gladbach auch im Fokus. Warum ist er jetzt wieder wichtig für die Mannschaft und könnte das in naher Zukunft auch auf Funktionärsebene sein?
Thomas muss wissen: Auch er muss gut spielen. Er hatte in der Phase, in der er nicht in der Stammelf war, das eine oder andere schlechtere Spiel gemacht. Jetzt hat er sich wieder unheimlich gesteigert. Er ist sehr effizient. Und wenn er das ist, hat er für die Mannschaft einen unheimlichen Mehrwert. Und das andere Thema: Der FC Bayern ist ja nicht auf Söldner aufgebaut, sondern auf Leute, die aus dem Verein selbst stammen – oder so wie Thomas aus der eigenen Jugend. Da ist er das Idealbild für Leute, die erst eine Karriere als Spieler und in Zukunft vielleicht als Funktionär machen. Wenn er das will, ist er prädestiniert.
Interview: Manuel Bonke