Der nachdenkliche Hoffnungsträger

von Redaktion

HANDBALL Rummel und Druck: Juri Knorr wird in Richtung Heim-EM viel aushalten müssen

Hamburg – Zuckerpässe, Zaubertore, irre Tricks und enormer Spielwitz: Das ist Juri Knorr. Mit seinen teils atemberaubenden WM-Auftritten spielte sich der Mann mit dem markanten Zopf und dem goldenen Händchen im Januar in die Herzen vieler Handball-Fans. Auch an diesem Donnerstag (20.45 Uhr/zdf.de) in Aalborg, dem ersten von zwei Länderspielen gegen Weltmeister Dänemark, werden die Augen wieder auf den hoch veranlagten Spielmacher von den Rhein-Neckar Löwen gerichtet sein.

Der 22-jährige Hoffnungsträger empfindet den Rummel um seine Person allerdings nicht nur als Ansporn, sondern auch als Bürde. „Ich bin nicht der Typ, der sich von einem Hype tragen lässt, der es cool findet, wenn alle schreiben, wie toll man ist“, sagte Knorr jüngst der „Stuttgarter Zeitung“ und „den Stuttgarter Nachrichten“: „Das lässt mich eher noch mehr nachdenken.“

Die WM in Polen und Schweden, bei der der Rückraumspieler zum besten Scorer des Turniers avancierte und vom Weltverband als bester Nachwuchsspieler ausgezeichnet wurde, sei „physisch und psychisch“ eine „extreme Belastung“ gewesen, so Knorr: „Danach empfand ich eine Leere, war sehr müde und fing mir auch noch einen Infekt ein.“

Bundestrainer Alfred Gislason beobachtet den Trubel um seinen Taktgeber mit gemischten Gefühlen. „Er hat bei der WM gut gespielt, da kamen extrem viele Nachfragen. Da mussten wir es damals schon ein bisschen reduzieren. Jeder Sender wollte jeden Tag ein Interview mit Juri haben“, erzählte der Isländer im Vorfeld der Dänemark-Testspiele (zweite Partie am Sonntag in Hamburg).

Es sei nicht nötig, Knorr künftig besonders abzuschotten. „Wir müssen das sicherlich ein bisschen regulieren, aber er wird sich dran gewöhnen müssen. Wir haben in dieser Hinsicht keine speziellen Pläne vor“, so Gislason.

Der DHB-Coach weiß natürlich, dass das Bohei um Knorr in den nächsten Monaten wohl noch ganz andere Dimensionen annehmen wird. Spätestens bei der Heim-EM im Januar 2024, auf die beim Verband alles ausgerichtet ist, wird Knorr wieder in aller Munde sein. Sportlich scheint Knorr der Hype bislang nichts anzuhaben. Die Leistungen bei der WM sprechen für sich – und in der Bundesliga hat er soeben mit den Löwen die Tabellenführung übernommen.  sid

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