Bayerns Schokoladenseite

von Redaktion

In einer starken Abwehr sticht Retter de Ligt heraus – Sommer dankt seinem Kollegen mit süßer Überraschung

München – Viel hätte nicht mehr gefehlt, dann wäre der FC Bayern mit einem 0:1-Rückstand gegen Paris Saint-Germain in die Halbzeitpause des Achtelfinal-Rückspiels gegangen. Es lief die 38. Minute, als sich Torhüter Yann Sommer im Dribbling gegen Achraf Hakimi einen Lapsus erlaubte und den Ball unter Druck direkt in die Füße von Vitinha spielte. Der Mittelfeldmann konnte daraufhin aufs leere Tor schießen – doch im letzten Moment kratzte Matthijs de Ligt die Kugel mit einer gesprungen Genie-Grätsche von der Linie.

„Das war ein schwerer Moment. Wir waren alle froh, als der Ball weg war“, schilderte Sportvorstand Hasan Salihamidzic die Situation. Alle wussten: Die Grätsche war eine spielentscheidende Aktion, die den FC Bayern erst auf Viertelfinal-Kurs hielt und de Ligt Lob von allen Seiten einbrachte.

„Das Problem war, ich hatte meine Lösung Stanisic, die wurde zugemacht – und dann hatte ich auf einmal keine Lösung mehr“, beschrieb Eidgenosse Sommer die Situation und versprach seinem niederländischen Teamkollegen ein zuckersüßes Dankeschön: „Ich werde ihm einen Lastwagen mit Schweizer Schokolade vor die Haustüre stellen. Überragend, wie er mich gerettet hat. Wenn das schiefgeht, sieht das Spiel anders aus.“

Das Rätselraten nach dieser Schoki-Ansage war freilich groß: Welche Tafeln kommen auf den Lkw? Lindt? Läderach? Taucherli? Nach de Ligts Rettungstat wäre Sprüngli die passende Wahl. Der Abwehrspieler verriet immerhin, dass er Schokolade liebe: „Aber nicht zu viel!“ Noch mehr liebt de Ligt nur das Verteidigen, wie er in den Katakomben der Allianz Arena versicherte – sogar mehr als Tore zu schießen. „Er muss sich da überragend gefühlt haben, wenn du so einen wichtigen Ball von der Linie kratzt. Es ist ähnlich, wie ein Tor zu schießen, wahrscheinlich“, meinte Offensivspieler Thomas Müller. Trainer Julian Nagelsmann war ebenfalls angetan vom Willen eines Abwehrchefs: „Neun von zehn auf der Welt bleiben stehen, weil sie denken, es ist vorbei. Er hat einfach Bock zu verteidigen.“

Das Motto von de Ligt: „Niemals aufgeben. Ich bin ein Verteidiger, der immer alles gibt und versucht.“ Das Lob aus der Führungsetage von Präsident Herbert Hainer („Matthijs bringt Stabilität rein, er gewinnt fast jedes Kopfballduell“) gab de Ligt umgehend an die Kollegen weiter: „Wenn du in zwei Spielen gegen Stürmer wie Neymar, Messi und Mbappé zu null spielst, ist das natürlich für einen Verteidiger sehr, sehr gut. Die Chemie in unserer Verteidigung ist sehr gut. Stani hat überragend gespielt, Upa war der Wahnsinn. Phonzie hatte auch zwei sehr wichtige Blocks.“ Der gesamte Münchner Abwehrriegel zeigte gegen das Pariser Star-Ensemble seine Schokoladenseite.  bok, hlr

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