Müller macht Messi nass

von Redaktion

Wie so oft: Ur-Bayer stiehlt WM-Held die Show

VON MANUEL BONKE UND HANNA RAIF

München – Eine kleine silberne Trophäe in Form eines Champions-League-Spielballs ließ die bajuwarische Brust von Thomas Müller noch breiter erscheinen. Der Ur-Bayer wurde nach dem 2:0-Sieg im Achtelfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain als „Man of the match“ ausgezeichnet und präsentierte den Pokal spitzbübisch-stolz in den Katakomben der Allianz Arena. Zuvor posierte Müller bereits oberkörperfrei in der Kabine und wählte für das Foto folgende Bildunterschrift: „Mia san Mia! Die Brust ist nicht sehr behaart, aber verschwitzt und glücklich. Was für eine Mannschaftsleistung!! Danke an die Jungs und Mädchen für diese grandiose Nacht in unserer Allianz Arena.“

Damit spielte der Offensivspieler auf seine Aussagen im Vorfeld des Königsklassen-Duells an, als er das Münchner Mia-san-mia-Selbstverständnis erklärte und dafür die Metapher einer „breiten, bajuwarischen, behaarten Brust“ wählte. Während der 33-Jährige nach dem erfolgreichen Einzug ins Champions-League-Viertelfinale also bestens gelaunt war und am Ende sogar über sein Leben als Pferdezüchter sprach (manchmal bekommen seine Tiere Frosch-Gummibärchen als Leckerli), schlich Weltmeister Lionel Messi mit gesenktem Kopf – abgesehen von einem eher hilflos wirkenden Augenzwinkern – aus dem Stadion. Zuvor musste der Sicherheitsdienst unmittelbar nach Abpfiff noch eine Flitzer-Attacke auf den Argentinier abwehren.

„Gegen Messi läuft es für mich auf allen Ebenen ergebnismäßig immer ganz gut. Drüber weiß ich Bescheid“, lautete das Fazit der Münchner Vereinsikone. Achtmal stand Messi den Bayern gegenüber. Die Bilanz des Ausnahmefußballers: zwei Siege, ein Remis, fünf Pleiten, dazu nur vier Tore und zwei Assists. „Da ist auf Vereinsfußball-Ebene eher Cristiano Ronaldo unser Problem gewesen zu Real-Madrid-Zeiten“, gestand Müller und versicherte im nächsten Atemzug, dass er dennoch größten Respekt vor Messis Auftritt bei der Weltmeisterschaft in Katar habe: „Die individuelle Leistung von ihm war unglaublich. Er hat die ganze Mannschaft getragen. Es ist nicht so einfach, bei einer Mannschaft wie PSG zu spielen. Es ist schwierig, ein wirklich gutes Gleichgewicht in der Mannschaft zu finden.“ Trotzdem ging die französische Sportzeitung „L’Equipe“ hart ins Gericht mit Messi und seinen Superstar-Kollegen. Ihr Titelblatt der Donnerstagsausgabe zeigte Müller, der Messi vom nassen Rasen aufhilft. Die Überschrift: „Paris ohne Genies.“

Die Chancen auf ein erneutes Aufeinandertreffen der beiden Routiniers schwindet von Jahr zu Jahr. Ein erneutes Duell ist erst wieder in der Saison 2023/204 möglich. Auf Nachfrage, ob angesichts dieser Umstände bereits Wehmut aufkäme, antwortete Müller gewohnt schlagfertig: „Vorher hat mich eine Kollegin aus Schweden als alten Wein bezeichnet, da weißt schon, was los ist …“ Doch im Volksmund heißt es ja, dass Wein mit zunehmendem Alter nur besser wird.

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