Schlichtweg „Ü-BER-RA-GEND“

von Redaktion

Bayern überschlägt sich vor Lob für Eigengewächs Stanisic: „Ein Weltklasse-Spiel“ – Gespräche mit Cancelo

München – Keine zwei Minuten waren am Mittwochabend gespielt, da drosch Josip Stanisic einen Ball ins Aus. Keine große Aktion, Alltag eines Verteidigers. Aber weil erste Eindrücke ja gerne über den weiteren Verlauf eines Spiels entscheiden, war dieser Moment wichtig, sehr sogar. Derjenige, vor dem Stanisic am Ball war, hieß Kylian Mbappé, und war vom FC Bayern nicht ohne Grund als Schlüsselspieler des Achtelfinals gegen PSG auserkoren worden. Es gehörte schon ein wenig Mut dazu, einen 22-Jährigen mit der Aufgabe zu betrauen, ihn kaltzustellen. Der aber wurde belohnt.

„Stani war Ü-BER-RA-GEND“, sagte Hasan Salihamidzic über die rund 89 Minuten, die nach dieser ersten Szene vergangen waren. Selten hat man den Sportvorstand ein Wort so lang ziehen hören, selten den Eindruck gehabt, dass ihm die Betonung einer Einzelleistung so wichtig war. Und die „Freude“, die er über das Wirken des Kroaten gegen PSG hatte, merkte man ihm regelrecht an. „Alle“, führte Salihamidzic aus“, seien „begeistert“ gewesen vom „sensationellen Auftritt“ des Eigengewächses. Das galt tatsächlich für Chefs, Mitspieler und Trainer. Julian Nagelsmann etwa sprach mit Blick auf den rechten Part seiner Dreierkette von einem „Weltklasse-Spiel“. Explizit wollte der 35-Jährige „Stani herausheben. Denn so einen Auftritt hat ihm nicht jeder zugetraut.“

In der Tat war die Personalie schon vor dem bisher wichtigsten Spiel der Saison Thema gewesen. Denn auch wenn Stanisic, der seine Chance in Abwesenheit des gesperrten Benjamin Pavard witterte, beim 2:1 in Stuttgart zur gelungenen Generalprobe beigetragen hatte, gab es Zweifel. Mbappé ist nicht Chris Führich, PSG nicht ein abstiegsgefährdeter Club aus dem Schwabenland. Aber Stanisic ließ sich keinen Respekt anmerken. „Jeden Zweikampf“ habe er gewonnen, lobte Nagelsmann (in Wahrheit waren es 67 Prozent), und der Coach wollte nicht despektierlich klingen, als er ausführte: „Er spielt seinen Stiefel runter, weiß, was er bringen muss.“ Rennen und verteidigen, um genau zu sein. Und das machte er so gut, dass Thomas Müller sagte: „Die ganze Mannschaft weiß, was sie an Stani hat.“

Vor allem die Systemumstellung spielte dem in der U8 beim FC Bayern durch ein Probetraining gefallenen Verteidiger in die Karten. Genau wie seine Entwicklung den Bossen. Lediglich Neuzugang Joao Cancelo schmeckt die Tatsache, dass „ein junger Spieler aus unserer Akademie“ (Salihamidzic) die Nase vor ihm hat, freilich nicht. Es hat da schon Gespräche gegeben, gleich mehrere. Und sicher ist: Auch ein Jungspund braucht mal eine Pause. Einen anderen Grund, Stanisic rauszunehmen, gibt es gerade nicht. Wer Mbappé stoppen kann, kann alles.  hlr, bok

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