München – Die Frauen des FC Bayern können an diesem Freitagabend im Bundesliga-Heimspiel gegen den MSV Duisburg (19.15 Uhr, Eurosport) zumindest bis Sonntag die Tabellenführung übernehmen. Abwehrspielerin Tuva Hansen, die im Winter verpflichtet wurde, spricht im Interview über die anstehenden Duelle mit Wolfsburg und Arsenal sowie die Titelchancen des FC Bayern. Außerdem erzählt die 25-jährige Norwegerin, wie ihr Hund ein TikTok-Star wurde.
Nach drei gewonnenen Auswärtsspielen steht am Freitag das Heimspiel gegen Duisburg an. Ist es schwierig, den Fokus auf ein Duell gegen eine abstiegsbedrohte Mannschaft zu legen, angesichts der vielen großen Spiele, die in den nächsten Wochen anstehen?
Ich habe noch nie gegen Duisburg gespielt, aber ich bin gegen jeden Gegner zu 100 Prozent fokussiert. Man kann vorher immer alles genau analysieren – und trotzdem weiß man nicht genau, was einen erwartet. In der Bundesliga spielt jede Mannschaft körperbetonter und auf einem höheren Level, als ich es in Norwegen gewöhnt war. Deshalb muss ich immer mein bestes Spiel zeigen.
Am 25. März findet das Topspiel in der Bundesliga gegen Wolfsburg statt, im April reist der VfL zum DFB-Pokal-Halbfinale erneut nach München. Freuen Sie sich auf diese Duelle?
Auf jeden Fall! Auch das wird eine neue Erfahrung, ich habe noch nie gegen Wolfsburg gespielt. Ich kenne die Wolfsburger Spielerinnen und weiß, wie gut sie sind. Aber ich bin mir sicher, dass wir mithalten und die Spiele gewinnen können.
Nach der Wolfsburger Niederlage gegen Hoffenheim beträgt der Rückstand auf die Tabellenführerinnen nur noch zwei Punkte. Wie schätzen Sie die Chancen ein, die Meisterschaft zu gewinnen?
Die Chancen sind auf jeden Fall größer geworden. Wir haben es jetzt selbst in der Hand. Wenn wir die restlichen Spiele alle gewinnen, sind wir Meister. Es ist wirklich aufregend, dass wir jetzt eine echte Chance haben. Und die wollen wir nutzen.
Das Wolfsburg-Spiel in der Bundesliga liegt zwischen dem Hin- und Rückspiel im Viertelfinale der Champions League gegen Arsenal. Können die Bayern-Frauen sich gegen Arsenal durchsetzen?
Arsenal ist wirklich eine der Top-Mannschaften in Europa. Beide Mannschaften spielen auf dem höchsten Level, es werden spannende Spiele werden. Wir müssen uns von unserer besten Seite zeigen und unsere Art, Fußball zu spielen, auf den Platz bringen. Ich denke, dann haben wir gute Chancen. Ich glaube an unsere Mannschaft. Ich denke, wir können im Moment jeden schlagen. Die Mannschaft hat im Dezember Barcelona besiegt, das schaffen nicht viele. Das zeigt, dass alles möglich ist. Ich habe wirklich das Gefühl, dass wir diese Saison etwas Besonderes schaffen können.
Das Hinspiel gegen Arsenal am 21. März wird in der Allianz Arena gespielt. Was bedeutet Ihnen das?
Das ist so cool! Ich habe das Spiel der Männer gegen Eintracht Frankfurt dort gesehen. Das ist wirklich eine große Sache für mich. Ich freue mich darauf, in der Allianz Arena zu spielen. Wenn angepfiffen wird, müssen wir uns natürlich auf unser Spiel konzentrieren. Aber die Atmosphäre wird ganz besonders sein und ich freue mich auf viele Bayern-Fans, die die Frauenmannschaft supporten.
War es leicht, sich mitten in der Saison in die Mannschaft zu integrieren?
Die Mannschaft hat es mir leicht gemacht und mich sehr freundlich empfangen. Es fühlt sich toll an, Teil dieser Mannschaft zu sein. Das hat mich positiv überrascht, denn auf dem hohen Level gibt es normalerweise einen harten Konkurrenzkampf. Den haben wir hier natürlich auch, aber wir haben alle das gleiche Ziel. Jede Spielerin wünscht der anderen das Beste, damit die Mannschaft ihre Ziele erreicht. Das ist etwas Besonderes hier.
Sie standen seit Ihrer Verpflichtung jede einzelne Minute auf dem Platz. Hat es bei der Eingewöhnung geholfen, dass Sie beim SK Brann Kvinner bereits unter Trainer Alexander Straus gespielt haben?
Ja, die taktischen Dinge sind mir bekannt. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander, das macht es natürlich einfacher. Insgesamt ist mir die Anpassung an den Fußball, die neuen Menschen und Eindrücke leichter gefallen, als gedacht. Ich hatte großen Respekt davor. Aber es ist natürlich trotzdem eine ziemliche Veränderung.
Was ist in Deutschland anders als im Frauenfußball in Norwegen?
Wo ich herkomme, waren die Bedingungen gut. Aber ich wusste nicht, wie gut sie sein können. Alles ist hier so, wie es sein sollte: professionell. Das fußballerische Level ist natürlich höher, aber der größte Unterschied ist das Drumherum. Es gibt medizinische Behandlungen, das Team um das Team ist viel größer. Alles ist darauf ausgerichtet, dass du die beste Fußballspielerin wirst, die du sein kannst. Das ist beeindruckend.
Mit nur vier Gegentoren stellen die Bayern-Frauen die beste Abwehr der Bundesliga. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Wir sind eine kompakte Mannschaft, in der jede Spielerin für die andere arbeitet. Jede Spielerin ist bereit, alles dafür zu tun, um den Kasten sauber zu halten. Mir persönlich ist das sehr wichtig, als Abwehrspielerin gewinne ich lieber 1:0 als 5:4.
Ihre Cockapoo-Hündin Vilja ist ein Social-Media-Star mit einer Million Followern auf TikTok und 134.000 Followern auf Instagram. Wie kam es dazu?
Eigentlich wollte ich nur auf Instagram in einer Art Tagebuch dokumentieren, wie sie aufwächst, um später Erinnerungen an diese Zeit zu haben. TikTok habe ich eigentlich nur benutzt, um die Videos zu bearbeiten. Aber eines der Videos, in dem Vilja ihren Kopf in meine Hand legt, ist dann auf TikTok viral gegangen. Einige der Videos haben mittlerweile mehr als 30 Millionen Abrufe, das kann man sich kaum vorstellen. Ich mache das nur zum Spaß, ich verdiene kein Geld damit. Aber es ist schön, dass Menschen Freude daran haben.
Ihr Beruf als Fußballprofi und norwegische Nationalspielerin hat also nichts mit der Berühmtheit ihres Hundes zu tun?
Nein. Am Flughafen wurde ich schon gefragt, ob ich Viljas Mama bin. Ich habe dann gesagt, dass ich eigentlich Nationalspielerin bin (lacht). Sie hat das ganz alleine geschafft. Mit Vilja zu trainieren und spazieren zu gehen, ist für mich ein schöner Ausgleich zum Fußball und hilft mir, auf andere Gedanken zu kommen. Deshalb habe ich mich auch entschieden, kein Geld mit den Accounts zu verdienen. Sonst käme schnell Stress hinzu.
Interview: Christian Stüwe