1860? „Für jeden ein reizvolles Thema“

von Redaktion

Ivo Grlic über 18 Jahre in Duisburg, München-Sehnsucht und seine löwenverrückte Mama

München – Als Löwe gewann er unter Werner Lorant das Deutsche Hallenmasters (1996) – und wurde später ein Zebra. Von 2004 bis 2011 war Ivo Grlic, 47, Spieler beim MSV Duisburg, danach elf Jahre lang Sportdirektor. Klar, dass der gebürtige Münchner das Drittligaduell seiner Ex-Clubs am Samstag (14 Uhr) mit Interesse verfolgen wird. Zumal der krisenerprobte Grlic mittelfristig auch für einen Job beim TSV 1860 infrage kommen könnte. Unser Interview mit dem Löwen- und Zebra-Experten.

Hallo Herr Grlic, wem drücken Sie am Samstag die Daumen?

Die schwierigste Frage direkt am Anfang (lacht). Ich war lange beim MSV, habe aber immer auch die Löwen intensiv verfolgt, München ist schließlich meine Geburtsstadt. Ich löse das deshalb sportlich und fair und sage: Die Wahrheit liegt auf dem Platz.

Beide Vereine stecken gefühlt in der 3. Liga fest, dabei hat es diese Begegnung auch schon in den beiden höheren Profiligen gegeben. Traurig, oder?

Ja, das ist jammerschade. Zwei so große Traditionsvereine, beide mit einer riesigen Fanbase. Ich würde mir wünschen, dass sowohl der MSV als auch 1860 in naher Zukunft mal wieder weiter oben zu sehen ist. Beide gehören in die 2. Liga – Minimum.

Fangen wir mit dem MSV an. Warum reicht es seit dem Zweitliga-Abstieg 2019 nur noch für sportliches Mittelmaß?

Da muss man unterscheiden. Wir sind ja 2013 nicht sportlich abgestiegen, sondern das war ein Lizenzentzug und ein finanzielles Desaster. Es war ein Kraftakt, den Verein überhaupt in der 3. Liga zu halten. Die Stadt, die Fans, die Sponsoren – alle haben da Einmaliges geleistet. Wir durften danach auch zwei Aufstiege feiern (2015 und 2017/Red.) – ohne einen Topetat gehabt zu haben. Vielleicht kam der erste Aufstieg im Hinblick auf unsere finanziellen Möglichkeiten zu früh.

Und wie sehen Sie die Lage bei den Löwen, die ja historisch gut in diese Saison gestartet waren?

Die Hinrunde war sehr stark, alles andere kann ich nicht beurteilen. Steht mir auch nicht zu. Man sieht nur die Ergebnisse und fragt sich, was da los ist. Eigentlich hatte ich den Löwen mit dem Trainer Michael Köllner den Aufstieg zugetraut.

Mitte der 90er waren Sie ja auch zwei Jahre lang ein Löwe. Wie ist Ihre Verbindung zum Verein?

Es ist lange her, aber hin und wieder gibt es noch Kontakt zu früheren Weggefährten: Werner Lorant, Miki Stevic, auch Karsten Wettberg und Manni Schwabl. Ich habe auch noch mein Trikot aus dieser Zeit – habe ich von all meinen Stationen. Außerdem ist meine Mutter riesiger Löwen-Fan, sie wohnt in Sendling und weiß alles über 1860 – mehr als ich (lacht). Das war schon damals immer lustig, wenn wir mit Duisburg bei Sechzig gespielt haben. Sie fiebert da richtig mit.

Im Sommer könnte bei 1860 der Posten des Sportchefs frei werden. Günther Gorenzel ist nicht mehr wohlgelitten bei den Gesellschaftern. Haben Sie Ihren Namen vorsorglich schon mal platziert?

Nein, das verbietet schon der Respekt, den ich vor meinem Kollegen habe. Ich kenne und schätze Günther Gorenzel, drücke ihm alle Daumen.

Wäre es denn reizvoll für Sie, eines Tages mal einen Job bei den Löwen zu übernehmen?

Ich glaube, für jeden, der im Fußball arbeitet, ist 1860 ein reizvolles Thema. Ich würde lügen, wenn ich als gebürtiger Münchner etwas anderes behaupten würde.

Würde Sie das unruhige Umfeld bei 1860 nicht abschrecken?

Wenn die Mannschaftsleistung nicht zu 100 Prozent stimmt, ist jedes Umfeld unruhig. Damit muss man als Sportdirektor umgehen können. Besonders, wenn man sich neu integrieren muss.

Welche Erwartungen haben Sie für das Duell am Samstag? Duisburg hat die letzten beiden Spiele gewonnen, die Löwen sind seit sechs Spielen sieglos.

Von den Formkurven her würde man sicher auf Duisburg tippen. Aber: Wenn die Löwen ihre Verunsicherung ablegen, können sie auch schnell wieder in einen Flow kommen. So haben sich ja auch Stefan Lex und Marcel Bär zuletzt geäußert.

Schauen Sie sich das Spiel am Samstag vor Ort an?

Nein, von zu Hause aus. Und vielleicht im Facetime-Chat mit meiner Mutter (lacht).

Bedeutet „zu Hause“ NRW oder München?

Gute Frage. Die Menschen im Pott sind sehr offen, haben mich super aufgenommen. Ich wohne noch in Düsseldorf, hatte eine phänomenale Zeit beim MSV, kann allen nach wie vor in die Augen schauen. Auf der anderen Seite: München ist meine Stadt, meine Familie lebt dort. Sicher ist mein Dialekt im Laufe der Jahre flöten gegangen, aber ich sage weiterhin Servus und habe mir meine Liebe für Schafkopfrunden bewahrt. Früher im Stüberl bei der Christl – das waren schon tolle Zeiten. Man vergisst nie, wo man herkommt, wo seine Wurzeln liegen. Interview: Uli Kellner

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