München – José Mourinho träumt von Reservisten, wie sie der FC Bayern hat. Nach dem 2:0 in der Europa League gegen Real Sociedad verriet der Trainer der AS Roma, er habe sich in der zweiten Halbzeit an das Champions-League-Spiel tags zuvor zwischen dem deutschen Rekordmeister und Paris Saint-Germain (2:0) erinnert. „Bayern hatte Gnabry, Mané und Sané auf der Bank – nur einer von ihnen hätte mir gereicht. So hätte ich Paulo Dyballa ersetzen und vielleicht noch ein Tor mehr schießen können“, gab „The Special One“ zu.
Speziell – das war die mit Superstars gespickte Bank der Bayern in den vergangenen Wochen zweifelsohne. Gegen Paris saßen beispielsweise Serge Gnabry, Leroy Sané, Sadio Mané und Joao Cancelo von Beginn an draußen. Am Samstag (15.30 Uhr, Sky) lässt Julian Nagelsmann einige seiner Edelreservisten aber endlich wieder in der Startelf ran. Gegen Augsburg kündigte der Coach eine Rotation an.
„Wir werden ein paar Wechsel machen müssen, weil nicht alle bei 100 Prozent sind“, verriet Nagelsmann am Freitag. Einige Spieler hätten nach den kräftezehrenden Wochen Müdigkeit angegeben: Matthijs de Ligt, Thomas Müller und Kingsley Coman. Leon Goretzka zwicken die Adduktoren, Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting fällt aufgrund von Rückenproblemen definitiv aus. Nagelsmann: „Wir haben schon ein paar Spieler mit einer sehr guten Qualität, die Frische reinbringen können.“
Das Augsburg-Spiel wird damit vermutlich zur Chance für einige namhafte Bank-drücker. Neben Verteidiger Benjamin Pavard, der gegen PSG wegen einer Sperre pausierte, und Mané sind vor allem die Offensivkräfte Sané und Gnabry, der nach seiner Einwechslung gegen Paris zum 2:0 traf, heiße Startelf-Kandidaten. Beide fielen zuletzt nicht nur durch schwankende Leistungen auf, sondern sorgten auch abseits des Rasens für Schlagzeilen. Um Gnabry gab es Wirbel wegen seiner Reise zur Pariser Fashion Week, Sané tauchte nicht immer pünktlich beim FCB auf. Trotzdem schätzt Nagelsmann die beiden – und nimmt sie, wie sie sind.
„Es ist ein ganz wichtiger Punkt, dass man bei jedem Spieler versucht, die Stärken rauszuziehen. Beide haben außergewöhnliche Fähigkeiten im offensiven Eins gegen Eins“, schwärmte der Trainer. „Leroy gehört zu den besten Spielern Europas. Wir brauchen ihn einfach. Deswegen muss man eine gewisse Akzeptanz haben für Charakterzüge, die er hat. Gleiches gilt auch für Serge. Bei Individualisten, die die Fähigkeit haben, Momente im Spiel für dich zu entscheiden, gibt es auch individuelle Momente außerhalb des Platzes, die nicht für jeden superangenehm sind. Beide haben es im Training gut gemacht.“
Als Gnabry in den letzten Wochen nach seinem Ausflug zur Pariser Modewoche heftige, teilweise unsachliche Kritik einstecken musste, suchte er den Rat von Joshua Kimmich. Denn der defensive Mittelfeldspieler weiß, wie man mit Gegenwind umgeht. Sein Motto: Durchbeißen, kämpfen – und mit Leistung vorangehen. Das ist Gnabry gegen PSG gelungen.
Der zuletzt mit seiner Reservistenrolle sehr unzufriedene Außenverteidiger Cancelo bekam eine Einsatzgarantie. Nagelsmann verglich den Portugiesen mit Angeliño (26), seinen ehemaligen Spieler bei Leipzig: „Wenn er gespielt hat, war er der freundlichste Mensch der Welt. Bei Joao ist es ähnlich. Wenn er nicht spielt, ist nicht alles gut.“ Nach einem offenen Gespräch habe der Leihspieler von Manchester City im Training eine gute Reaktion gezeigt.
Das Hinspiel in Augsburg hatte Bayern mit 0:1 verloren. Das soll sich auch mit Blick auf den engen Titelkampf und die Punktgleichheit mit Borussia Dortmund nicht wiederholen – trotz Rotation.