„Der Schlüssel liegt im mentalen Bereich“

von Redaktion

Diesmal nur eine Medaille – Sportdirektor Andi Scheid bilanziert die Snowboard-WM in Georgien

München – Ungewohnte Medaillen-Dürre für Snowboard Germany: Wie schon Olympia 2022 in Peking war auch die am Sonntag zu Ende gegangene WM in Georgien kein Glanzlicht für den erfolgsverwöhnten Verband. Im Interview zieht Sportdirektor Andi Scheid Bilanz.

Herr Scheid, die erste Snowboard-WM in Osteuropa liegt hinter Ihnen. Welche Eindrücke haben Sie vom Gastgeberland Georgien gewonnen?

Georgien ist ein interessantes Land, das sich stark Richtung Westen orientiert. Alle jungen Menschen sprechen Englisch, sind sehr offen und gastfreundlich. Es ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Sportlich dagegen lief’s nicht ganz so toll für Ihren Verband. Nur Martin Nörl, der Führende im Snowboardcross-Weltcup, konnte eine Medaille mit nach Hause nehmen.

Die Silbermedaille für Martin war natürlich der Wahnsinn! Damit sind wir superhappy. Auch mit Jana Fischer (Platz 6) und Leon Ulbricht (Platz 9), der ja Jahrgang 2004 ist und noch bei der J-WM starten dürfte. Alle haben hart gearbeitet für diese Erfolge. Ansonsten sind wir nicht ganz so zufrieden mit dem Abschneiden, vor allem unser Race-Team kann es besser.

Was war los mit der erfolgsverwöhnten Riege um Ramona Hofmeister, die dreimalige Gesamtweltcupsiegerin?

Wir hatten ja schon nach den Peking-Spielen (2022) alles einer Analyse unterzogen – und Maßnahmen eingeleitet. Der Schlüssel liegt im mentalen Bereich, ohne ins Detail zu gehen. Anscheinend ist das aber noch nicht vollständig verstanden oder umgesetzt worden. Das müssen wir weiter vertiefen. Es wird auf jeden Fall einen Fahrplan Richtung 2026 geben. Wir werden intensiv an den Schwächen arbeiten.

Woran lag’s denn konkret? Wohl nicht nur an den schlechten Pisten, die im einen oder anderen Interview kritisiert wurden.

Sagen wir’s mal so: Weder das Wetter noch die Rahmenbedingungen an der Strecke waren so, wie wir das bei den Vorwettkämpfen erlebt hatten. Ein Jahr zuvor war alles super, aber während der WM war die Strecke nicht mehr in diesem Zustand.

Trotzdem hatten alle Teams dieselben Bedingungen. Hadern die Racer zu viel? Braucht’s für die Zukunft eine Augen-zu-Mentalität?

Das ist wahrscheinlich der Punkt: Wie geht man mit der Situation um? Wenn man Andy Prommegger anschaut. 42 Jahre alt, Familienvater – und trotzdem schon wieder mit Gold dekoriert. Von seiner Einstellung können wir uns eine Scheibe abschneiden. Man muss auch mit schlechten Bedingungen zurechtkommen, sie ausblenden. Hadern bringt nichts. Am Ende fragt keiner danach, wie ein Ergebnis zustande gekommen ist. Da müssen wir ran – hilft ja nix.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Hoffnung macht mir, dass wir das auch schon besser hingekriegt haben. 2019 in Park City waren die Bedingungen auch ganz schwierig – trotzdem sind wir mit vier Medaillen nach Hause geflogen. Diesmal mit null Medaillen im Racebereich – das wirft schon Fragen auf. Vielleicht ist es gar nicht so gut, wenn man immer alles zu perfekt machen will, in der Vorbereitung, meine ich.

Anderes Thema: Die WM wurde kaum wahrgenommen hierzulande. Ist das auch ein Thema bei der Aufarbeitung?

Sicher war der Termin nicht optimal für uns. Eine Woche lagen wir in der Ski-WM drin, mit der zweiten Woche in der Nordischen WM. Leider sind wir so ein bisserl untergegangen. Für die Zukunft müssen wir uns da besser platzieren, mehr auf uns aufmerksam machen. Am besten helfen da natürlich Erfolge.

Dafür besteht ja im Weltcup-Endspurt noch die Möglichkeit.

Wenn man das Race-Team mit ein paar Tagen Abstand sieht: Die sind hochmotiviert für Rogla und das Finale in Berchtesgaden. Im Gesamtweltcup ist noch einiges drin. Im Cross-Weltcup will Martin (Nörl) seine Führung verteidigen. Und dann haben wir ja noch den Freestyle-Weltcup in Silvaplana – wo hoffentlich ein paar Verletzte von uns zurückkehren, die wir bei der WM vermisst haben (u.a. Leon Vockensperger. Es gibt viel zu tun. Wir setzen alles daran, unseren Masterplan für 2026 durchzusetzen.

Interview: Uli Kellner

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