„Ich habe Geld aus dem Fenster geworfen“

von Redaktion

Boris Becker zeigt sich in einem Werbespot selbstironisch – und hofft auf ein Ende der Insolvenz

Berlin – Boris Becker kam durch den Notausgang. Beim Betreten des Saals Emporio I in einem Berliner Nobelhotel konnte Deutschlands Tennis-Ikone das grüne Hinweisschild mit dem Fluchtsymbol über ihm aber ignorieren. Bei der Farbe des Teppichs hatte der Veranstalter des PR-Termins allerdings geschummelt. Schlammgrau mit schwarzem Gittermuster statt wie angekündigt ein „Red Carpet“ war das Geläuf für den Fototermin mit dem routiniert in die vielen Kameras lächelnden Stargast.

Becker hätte auch über dieses Szenario ein Späßchen machen können. Gittermuster braucht er in seinem Leben nicht mehr. Ironie, das sollte sich alsbald zeigen, war ohnehin angesagt, bei der Präsentation von Beckers erstem Werbedeal für einen Online-Fensterversand nach der Rückkehr aus England kurz vor Weihnachten. Mitte Dezember war Becker nach 231 Tagen hinter Gittern freigekommen. Einen Teil seiner Einnahmen muss Becker aber weiter an die Insolvenzverwalter abtreten. Das soll sich ändern, hofft der dreimalige Wimbledonsieger.

„Es ist ein Neubeginn. Ich bin in guten Verhandlungen mit meinem Insolvenzverwalter. Ich hoffe, schnell eine gute und faire Lösung zu finden“, sagte Becker bei der Vorstellung der Werbespots mit ihm als Hauptdarsteller. „Dafür muss ich Geld verdienen, ansonsten möchte ich darüber nicht mehr viel sagen“, merkte Becker an.

„Es geht ums Geld“, sagte Moderator Gerhard Delling gleich zum Start der Präsentation. Für Becker geht es aber auch um Verantwortung. Der nächsten Generation möchte er warnendes Beispiel sein, versicherte er und erzählte vom „Alten, der seine Hand auf die heiße Herdplatte gelegt“ habe.

An Beschäftigung mangele es nicht. „Ich habe viel zu tun. Meine ganzen anderen Partner wollen mich sehen. Ich bin beschäftigt, und das ist die beste Nachricht, dass ich weiter arbeiten darf“, sagte Becker. Auch eine Rückkehr ins Tennis-Business ist möglich. „Ich habe in der Tat auch Angebote. Ich muss mich zurechtfinden, bevor ich eine Verantwortung übernehme“, sagte Becker.

Die Lebenskrise mit der Haft habe ihn natürlich verändert. Weiser, intelligenter sei er. „Ich bin überzeugt, dass ich aus meinen Fehlern gelernt habe.“

In Bildern sprechen, und das mit Humor, das macht Becker im Spot für das Unternehmen eines schwäbischen Freundes. Er wirft Geldscheine mit vollen Händen aus dem Fenster. „Sich selbst auf die Schippe zu nehmen, ist wichtig. Ja, ich habe Geld aus dem Fenster geworfen“, gesteht er. Im Spot trägt er seine alten weißen Tennisschuhe mit rotem Streifen.

Die Szene mit dem Geld sei natürlich ein Verweis auf sein Leben. „Es ist eine große Verantwortung in meinem neuen Leben, in neuer Freiheit“, sagte Becker. „Ich hoffe, Sie verstehen den Witz und die Selbstironie“, fügte er an. Becker und Werbung, das war immer ein bisschen lustig, ob nun für Autos, Schokocreme oder einen Internetanbieter in den Startjahren des World Wide Web.

Ein bisschen Sorge, dass er in der Heimat mal wieder Kritik und Häme einstecken muss, schwang mit. Er wisse natürlich, dass die Zeiten schwer seien für viele Menschen. In Deutschland ist für Becker immer alles ein bisschen schwerer zu erklären. Ob das Land sein Mittelpunkt im „neuen Leben“ werden soll, das wisse er noch nicht. „Erst mal bin ich froh, wieder in Freiheit leben zu dürfen, seitdem ich in längerem Urlaub war“, fügte er an.  dpa

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