Shiffrins Rekord

Wonder Woman auf Skiern

von Redaktion

MATHIAS MÜLLER

Der Tag, an dem Mikaela Shiffrin durch ihren 86. Weltcupsieg mit dem legendären Ingemar Stenmark gleichzog, hat wieder einmal gezeigt, welch großartige Skifahrerin die Amerikanerin ist. Bereits nach dem ersten Durchgang war sie am Freitag dem Großteil der Konkurrenz weit enteilt. Und während die zwei Damen, die noch am ehesten Anschluss halten konnten (Grenier und Gritsch), im teils kniffligen zweiten Lauf beide patzten, raste der Shiffrin-Express scheinbar mühelos dem Rekord entgegen.

Überrascht hat das im Ski-Zirkus freilich niemand mehr. Zu gut, zu überlegen und zu sicher präsentierte sich Shiffrin in den vergangenen Monaten auf den Latten. Die Zeit des Zweifelns und des Olympia-Debakels, hervorgerufen durch den plötzlichen Tod ihres Vaters und den Verlust der geliebten Oma, hat die junge Frau hinter sich gelassen. Dass ihr der entscheidende Triumph ausgerechnet in Are, der schwedischen Heimat Stenmarks und dem Ort ihres ersten Weltcuperfolgs (2012), gelang, ist das kitschige I-Tüpfelchen auf diesem historischen Ereignis. Doch damit nicht genug. Stenmark gewann das letzte Mal in Aspen (1989) – Shiffrins Geburtsort Vail liegt nur knappe 70 Kilometer Luftlinie entfernt.

Während der einstige Super-Techniker seine Karriere damals nur wenige Wochen später beendete, ist die Wonder Woman auf Skiern gerade einmal 27 Jahre alt bzw. ab Montag 28. Wenn man also wissen will, was das Schicksal mit ihr noch vor hat, darf man ruhig ein Rechenspiele anstellen. Bisher holte Shiffrin rund acht Siege pro Saison. Fährt die Vorzeigeathletin, die eigentlich nie schwer verletzt ist, ähnlich lang wie ihre US-Vorgängerinnen Lindsey Vonn und Julia Mancuso, die mit 35 und 33 Jahren Schluss machten, könnten – konservativ gerechnet – noch mindestens 30 Siege dazukommen. Womit sie bei 116 stünde.

Eine Zahl, die die erfolgreichsten DSV-Damen Katja Seizinger (36), Maria Höfl-Riesch (27), Hilde Gerg (20), Viktoria Rebensburg (19) und Martina Ertl-Renz (14) zusammen erreichten. Oder um die Einzigartigkeit von Shiffrins Leistung noch deutlicher hervorzuheben: Alle deutsche Ski-Männer zusammen brachten es in den vergangenen 50 Jahren lediglich auf 59 Siege. Diese Bestmarke knackte sie schon als 24-Jährige – den Neureuthers, Wasmeisers und Bittners war sie also schon lang enteilt.

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