Es ist heikel, einen Kommentar über Max Eberl zu schreiben. Denn eigentlich hat man ihn immer gemocht – als loyalen Arbeiter im Weinberg der Fußballtradition, als Felsen der Unaufgeregtheit im aufgewühlten Gewässer der Bundesliga. Dann ist da auch noch der offene Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit, als er im Januar 2021 eine Auszeit bei seinem Verein Mönchengladbach erbat und ein Jahr später mit dem Geschäft erst einmal abschloss – man kann ihm nicht unterstellen, er habe Theater gespielt. Es würde auch von einem unguten Gefühl begleitet, stellte man sich vorbehaltlos an die Seite der enttäuschten Borussia-Ultras, deren Ausdrucksweise eine beleidigende ist. Und ja, natürlich: Für Max Eberl gilt wie für jeden anderen das Recht auf freie Wahl des Arbeitsplatzes. Der kann auch in Leipzig liegen.
Trotz allem: Es gibt genügend Anlass, Max Eberl nicht mehr gut zu finden und klar zu sagen, dass man ihn für den moralischen Absteiger im deutschen Fußball hält.
Da ist zunächst die unglaubwürdige Schilderung der Abläufe aus Max Eberls Mund: Dass er nach Leipzig wechseln würde, habe sich erst im Laufe seiner Gesundung (2022) ergeben. Aus Bundesliga-Kreisen kann man dazu einen anderen Kenntnisstand vernehmen. RB-Chef Oliver Mintzlaff hatte auch bereits im Herbst 2021 mit der großen Lösung geprahlt, die man schon sicher habe. Dann blieb der wichtige Posten aber so lange vakant, bis Eberl sich von Gladbach auch formal gelöst hatte.
Auch wenn Eberl bei seinem alten Verein mit einigen auf Entscheiderebene nicht mehr klargekommen ist – wie er abrechnet, ist respektlos und unangemessen. Die Wutwelle, die ihn nun trifft, hat er selbst losgetreten.
Seine Argumentation, warum nun nicht mehr gelten soll, was er vor ein paar Jahren unter gern entgegengenommenem Applaus über Leipzig gesagt hat, ist schwach. Denn das Konstrukt RB ist dasselbe wie 2016. Nicht der damals schon in vielem fragwürdige Fußball hat sich weiter verändert, sondern das Anstellungsverhältnis von Max Eberl. Falls Leipzig ihn holte, um sympathischer zu wirken, ist das missglückt. Geschehen ist: Eberl hat das eigene Bild zerstört. Komplett.
Guenter.Klein@ovb.net