Schalke erschüttert den BVB

von Redaktion

Remis im Revierderby – die Dortmunder ärgern sich: „Komplett unnötig“

Gelsenkirchen – Die hämischen Gesänge der euphorisierten Schalker Fans klangen den frustrierten Profis von Borussia Dortmund noch lange nach dem Abpfiff in den Ohren. „Wer wird deutscher Meister? BVB Borussia“, stimmte der königsblaue Anhang nach dem gefühlten Sieg im Jubiläumsderby ironisch an und traf damit mitten ins Herz des Erzrivalen. Denn die leichtfertig verschenkten Punkte beim 2:2 (1:0) könnten dem BVB im engen Titelrennen noch teuer zu stehen kommen.

„Ich hoffe nicht, dass uns diese zwei Punkte am Ende total weh tun“, sagte der enttäuschte Sportdirektor Sebastian Kehl und bezeichnete das Unentschieden im 100. Bundesliga-Revierderby als „unglaublich ärgerlich“ und „komplett unnötig“. Nach dem schmerzhaften Rückschlag beträgt der Rückstand auf Serienmeister Bayern München nun wieder zwei Zähler. „Wir stehen zwar oben, aber eine absolute Spitzenmannschaft macht einfach die Tür zu in so einem Spiel“, räumte Trainer Edin Terzic ein und kündigte eine „offene und ehrliche Analyse“ an.

Nach dem Champions-League-Aus beim FC Chelsea sahen die überlegenen Schwarz-Gelben nach der zweimaligen Führung durch Nico Schlotterbeck (38.) und Raphael Guerreiro (60.) wie der sichere Sieger aus. „In der zweiten Halbzeit wurde es wild, da haben wir den Sieg hergeschenkt“, stellte Terzic fest.

Der ersatzgeschwächte Tabellenzweite ließ den Aufsteiger durch eigene Fehler wieder ins Spiel kommen. Der vergebene neunte Ligasieg in Serie erinnerte an überwunden geglaubte Zeiten. Vor dem Treffer von Marius Bülter (50.) verlor Jude Bellingham im Mittelfeld leichtfertig den Ball, beim Ausgleich kam Joker Kenan Karaman (79.) völlig frei zum Kopfball. „Das ist ein Absprachefehler zwischen Julian Ryerson und mir“, gab Nationalspieler Schlotterbeck zu.

Aufgrund dieser Nachlässigkeiten macht sich Terzic über mögliche Feierlichkeiten am Borsigplatz (noch) keine Gedanken. „Wir wissen genau, dass wir noch nicht so weit sind, um über diese Themen zu sprechen“, sagte der Coach im ZDF. Man bleibe demütig und arbeite an den Themen. „Den Rest“, betonte Terzic, „werden wir im Mai sehen“.

Dann werden auch die Schalker wissen, ob ihre famose Aufholjagd nach einer völlig verkorksten Hinrunde zum ersehnten Ziel Klassenerhalt geführt hat. „Für uns ist jeder Punkt Gold wert“, sagte der eingewechselte Karaman nach seinem ersten Tor für die Königsblauen. Das sei für ihn ein „besonderer Moment“ gewesen: „So kann man sich in die Herzen der Schalker schießen.“

Da hat Ralf Fährmann längst einen festen Platz. Der Torhüter verhinderte mit seinen Paraden in der ersten Halbzeit einen höheren Pausenrückstand und damit eine Vorentscheidung. Danach sei man „wieder aufgestanden“, so Fährmann: „Wir haben mit unseren Waffen gekämpft und haben uns mit dem Punkt belohnt.“

Kampf, Wille, Glaube – dank dieser Eigenschaften sind die Schalker auch nach dem siebten Rückrundenspiel ungeschlagen (zwei Siege). „Wir sind in einer Position, in der wir alles selber regeln können“, sagte Trainer Thomas Reis mit Blick auf den spannenden Abstiegskampf. „Der Punkt“, ist sich Reis sicher, „war für die Moral unheimlich wichtig.“  sid

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