München – Nach der 1:2-Pleite in Leverkusen kletterten Joshua Kimmich (28), Leon Goretzka (28) und Serge Gnabry (27) mit finsteren Mienen aus dem Van am Quartier der deutschen Nationalmannschaft in Frankfurt. Ein paar wartenden Fans gaben die frustrierten Bayern-Stars vor dem Teamhotel Melia Frankfurt City noch Autogramme, reden wollten sie zu dieser späten Stunde – Sonntag, 22.16 Uhr – nicht mehr. Verständlich. Die Enttäuschung über die verlorene Tabellenführung war den Münchnern zum Auftakt der Länderspielpause deutlich anzusehen.
Das bayerische Selbstverständnis ist angekratzt. Der Auftritt in Leverkusen war träge und fehlerbehaftet. Offensiv ging quasi nichts und defensiv provozierten Benjamin Pavard (26) & Co. die beiden Gegentreffer mit ungeschickten Fouls, die zu den Elfmetertoren von Exequiel Palacios (24) führten, selbst. „Wir waren träge. Defensiv und offensiv hatten einige Spieler eine Null-Prozent-Quote. Im eigenen Spielvortrag waren wir ganz schwach gewesen“, analysierte Trainer Julian Nagelsmann (35) den schwachen Auftritt seiner Stars.
Sportvorstand Hasan Salihamidzic (45) wurde sogar noch deutlicher. „Das war nicht das, was Bayern München bedeutet“, lautete sein knallhartes Urteil. „Wir haben alles vermissen lassen. Bayer war in allen Belangen besser.“ Die Münchner Mannschaft habe sich von einem Team, das am Donnerstag noch in der Europa League bei Ferencvaros Budapest (2:0) gespielt habe, „überrennen“ lassen. Salihamidzic: „So wenig Antrieb, so wenige Mentalität, so wenig Zweikampfführung, so wenig Durchsetzungsvermögen habe ich selten erlebt.“
Rumms! Salihamidzic spricht von fehlender Mentalität. Ein Vorwurf, den sich Dortmund jahrelang gefallen lassen musste. Doch vor dem deutschen Klassiker hat der FC Bayern das BVB-Problem. „Diese Mannschaft ist so gut, wenn sie von Anfang an eine Mentalität hat und 100 Prozent geht“, beklagte Salihamidic am Sonntagabend in den Katakomben der BayArena. „Und genauso ist sie nicht so gut, wenn sie spielt wie heute. Wenn sie träge ist und denkt, dass sie mit der spielerischen Qualität alles erledigen kann. Das kann sie einfach nicht.“
Der FC Bayern zeigt in dieser Saison zwei Gesichter. Beeindruckend: In der Champions League marschierten die Münchner mit acht Siegen ins Viertelfinale. Besorgniserregend: In der Bundesliga verspielte der FCB neun Punkte Vorsprung auf Dortmund. Zum ersten Mal seit dem 12. Spieltag sind die Bayern nicht auf Platz eins – ausgerechnet vor dem Spitzenspiel am 1. April (18.30 Uhr) gegen den BVB. „Wir stehen extrem unter Druck“, betonte Nagelsmann. „Wenn wir unentschieden spielen oder verlieren sollten, dann wird es nicht einfacher. Wir haben verdient verloren und jetzt wenig Spieler zur Verfügung, um uns lang vorzubereiten.“ Dazu kommen die Diskussionen über den „Maulwurf“ bei den Bayern, der Nagelsmanns Taktik an die Presse gegeben hatte. Für den Trainer ein Unding und „mehr als grenzwertiges Verhalten“, wie er betonte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Spieler handelt, geht gegen Null.“
Salihamidzic brachte es mit Blick auf Dortmund auf den Punkt: „Da müssen wir wieder Mentalität und Gier auf den Platz bringen. Da geht es um die Meisterschaft!“