Tobias Stieler lächelte. Das drückte seinen Willen aus, nett um Entschuldigung zu ersuchen. Und es zeigte auch, dass er als Schiedsrichter der Partie Leverkusen – FC Bayern sich amüsierte über die Kuriosität des Abends, an dem er zwei Gelbe Karten zurücknehmen und zwei War-nichts- in Strafstoßentscheidungen hatte umwandeln müssen. Es ist gut, dass Referee Stieler seine Irrtümer nach Sichtung des Videomaterials einräumte. Das könnte auch nicht jeder. Und ja: Man darf über die Skurrilität dieser Situationen im Nachhinein lachen, denn am Ende ist nichts Unrechtes geschehen.
Es besteht eine gewisse Versuchung, daraus die endgültige Legitimation des Video Assistent Referees, das VAR, abzuleiten. Ohne die Eingriffe von außen hätte es nicht die beiden Elfmeter für Leverkusen und den 2:1-Sieg gegeben. Bayer hätte sogar Amine Adli, zweimal fälschlicherweise unter Verdacht stehend, eine Schwalbe produziert zu haben, durch die Gelb-Rote Karte verloren. Es wäre ein fetter Skandal gewesen, der die verschwörerische Theorie genährt hätte, der FC Bayern sei ein „deep state“, der den deutschen Fußball regiere. Eine große Ungerechtigkeit, vielleicht entscheidend für die Deutsche Meisterschaft, ist durch die Möglichkeit moderner Technik abgewendet worden.
Dennoch müssen wir auf Tobias Stieler schimpfen. Er fiel ja schon auf, weil er von Anfang an heftigst Lobbyarbeit betrieb für den VAR, er sprach da wie von den Köpfen der DFB-Schiedsrichtergruppe ferngesteuert, völlig unkritisch und unempfänglich für die Argumente der VAR-Gegner. Auch jetzt redet Stieler bedenklich daher: „Die Fußballwelt kann zufrieden sein“ – „Paradebeispiel für die gute Zusammenarbeit mit dem Video-Assistenten“ – „Der VAR als Lebensretter“. Das ist dreister PR-Sprech. Was das Thema sein sollte: Warum sieht einer, der Spitzenschiedsrichter sein soll, so wenig – und da Stieler zum wirklich wiederholten Mal komplett daneben liegt, warum pfeift er in der Bundesliga und bekommt auch noch besonders wichtige Spiele? Vielleicht ja, weil er sich völlig dem VAR ergeben hat. In seiner Leistung und seiner Argumentation.
Natürlich springt auch Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe auf die Sache an. Der fühlt sich altersdiskriminiert und ist seit zwei Jahren als Racheengel in eigener Mission unterwegs. Auch Gräfe ist auf seine Art von unangenehmer Besessenheit, doch im wesentlichen Punkt ist ihm nicht zu widersprechen: In der deutschen Schiedsrichterei gibt es „personelle Fehlentwicklungen“. Tobias Stieler sollte, wenn Beurteilungen gerecht sind, so schnell kein Bundesligaspiel mehr leiten dürfen.
Guenter.Klein@ovb.net