Frankfurt – Verkehrte Welt in München: Erst wurde der FC Bayern am Wochenende von Borussia Dortmund als Tabellenführer der Bundesliga abgelöst – und jetzt schwärmt auch noch Bundestrainer Hansi Flick (58) in den höchsten Tönen vom BVB. Ausgerechnet Flick, der mit dem deutschen Rekordmeister im Sommer 2020 sensationell das Triple gewann und seitdem einen besonderen Platz in den Herzen der Bayern-Stars hat.
„Das sind beides Spieler, die eine Mentalität haben, die wir auf dem Platz brauchen“, lobte der Bundestrainer die Dortmunder Emre Can (29) und Marius Wolf (27) – und hätte gerne noch mehr BVB-Stars berufen: „Mir tut leid, dass Julian Brandt wegen seiner Verletzung nicht dabei sein kann.“ Ungewohnte BVB-Lobhudeleien zu Zeiten, in denen in München eine Mentalitäts-Debatte tobt. Doch auch Sportdirektor Rudi Völler sieht in Spielertypen wie Can und Wolf einen Erfolgsschlüssel im Hinblick auf die Heim-Europameisterschaft im nächsten Jahr: „Oftmals sind es Kleinigkeiten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Drei, vier, fünf Prozent an Willen und Gier haben in Katar gefehlt.“ Und wer Can und Wolf am Dienstag im Training am DFB-Campus grätschen gesehen hat, kann nur erahnen, welche Eigenschaften das Duo dem deutschen Spiel geben kann.
In Dortmund laufe es diese Saison ganz gut, berichtete Can nach der Einheit und erklärte: „Wir haben immer alles gegeben. Davon können wir mit der Nationalmannschaft auch was lernen. Wenn sich jeder 100-prozentig reinhängt, können wir Erfolg haben. Bei der WM haben das Argentinien und Marokko gezeigt.“ Ähnliche Worte wählte am Tag zuvor auch Völler, der ebenfalls den südamerikanischen Weltmeister als Paradebeispiel hervorhob: „Wir müssen als Einheit mit viel Teamspirit spielen, fußballerische Qualität mit dem Willen verbinden.“ So wie Can, der es laut eigener Aussage liebt, sich „reinzuhauen, für meine Mannschaft alles zu geben. Das will ich hier und beim BVB zeigen.“
Diese Beschreibung passt neben Can auch auf dessen Teamkollegen Wolf. Zur Erinnerung: Der gebürtige Coburger spielte in der Jugendabteilung des TSV 1860 und schaffte bei den Löwen den Sprung in den Profi-Fußball. Can traut dem Neu-Nationalspieler zu, sich als Rechtsverteidiger bei der Nationalmannschaft zu etablieren: „Er kann seine Chance nutzen, sich auf der rechten Seite zu empfehlen. Auf dieser Position hat sich ja in den letzten Jahren keiner so richtig reinspielen können.“
Das anstehende Spitzenspiel am 1. April zwischen den beiden deutschen Top-Klubs ist in Frankfurt noch in weiter Ferne. „Bis jetzt haben wir im Team noch nicht darüber gesprochen. Aber das wird schon noch kommen, da gehört der ein oder andere Flachs dazu.“ Nach besagtem Gipfelduell wird sich zeigen, welcher Fraktion noch zum Lachen zumute ist.
MANUEL BONKE