Freier Fall, kontrollierter Typ

von Redaktion

FREERIDE Hitzig mit Weltmeisterchancen

München – Drei Sekunden in der Luft, ein Rückwärtssalto und eine sauber Landung im Pulverschnee. Mit diesem Auftritt in einem Steilhang der kanadischen Bergwelt hat Max Hitzig die Freeride-Welt verzückt. Der 20-Jährige gewann im Februar so das Event der Freeride World Tour FWT in Kicking Horse – und hat nun ab Samstag die Chance beim Finale der Tour im schweizerischen Verbier der erste deutsche Freeride-Weltmeister zu werden.

„Ich versuche immer, irgendetwas Neues zu machen und die Judges zu überraschen“, beschreibt Hitzig sich selbst im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit Judges meint er die Punktrichter, die die Fahrer nach ihrer Linienwahl im Hang, der Kontrolle, wie flüssig der Lauf vorgetragen wird, den Sprüngen und der Technik bewerten. Sie zu beeindrucken ist ihm in seiner ersten kompletten Saison auf der FWT oft gelungen. In der Gesamtwertung liegt er auf Rang vier.

„Ganz genau habe ich es nicht nachgerechnet, aber die ersten sechs haben noch Chancen, es zu gewinnen“, meint der Skifahrer, der im österreichischen Montafon lebt. Dort ist der Sohn einer Deutschen und eines Österreichers auch aufgewachsen. „Falls einer der ersten sechs gewinnt, holt er es, glaube ich, auch gesamt“, vermutet Hitzig weiter.

Chancen abschätzen gehört zum Naturell der Freerider. Sie legen sich ihre Läufer im Vorhinein genau zurecht, ohne den Hang befahren zu dürfen. Wie das funktioniert? Mit Zeit am Fernrohr und vor Bildern des Hanges. Viel Zeit. In sein Rückwärtssalto in Kicking Horse habe er zuvor über 20 Stunden Zeit investiert, verrät Hitzig. „Ich habe mir den Felsen lange angeschaut und überlegt, wie genau es klappen könnte“, erinnert er sich und hängt an: „Schließlich waren alle Unklarheiten beseitigt.“

Dass er nichts dem Zufall überlassen wolle, macht Hitzig klar. Verständlich, angesichts eines Jobs, der einen mit hohen Geschwindigkeiten steile Hänge runter und vorbei an mächtigen Felsen führt. „Ich glaube, so genau wie ich studieren es vorher nicht alle Fahrer ein“, sagt er. Ein Nachteil dieser Akribie? „Bei mir sieht es vielleicht nicht so stylisch aus wie bei anderen, ich arbeite den Lauf eher ab“, gibt er zu: „Aber es läuft ja ganz gut so.“

Womöglich auch wieder in Verbier, nach Stunden am Fernglas und vor Fotos. Das Ganze für etwa eine Minute, die der Lauf dauert oder sogar nur drei Sekunden in der Luft, die alles entscheiden können. THOMAS JENSEN

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