Schüllers Sahnetag

von Redaktion

FCB-Stürmerin trifft gegen Arsenal, rettet auf der Linie – und ist fit für den Wolfsburg-Knaller

VON CHRISTIAN STÜWE

München – Der große Teil der 20 000 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Allianz Arena erhob sich in der 79. Minute der Partie zwischen den Frauen des FC Bayern und Arsenal von den Sitzen und applaudierte. Die Matchwinnerin humpelte vom Platz, Lea Schüller hatte sich bei einem Zweikampf mit Lia Wälti verletzt und wurde gegen Jovana Damnjanovic ausgewechselt. Auch Schüller klatschte in Richtung der Fans, die Mittelstürmerin hatte ein bemerkenswertes Spiel gemacht. Der 25-Jährigen war in der ersten Halbzeit der 1:0-Siegtreffer im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gelungen, in der zweiten Hälfte, als Arsenal mächtig Druck machte, zeigte die Nationalspielerin ihre defensiven Qualitäten und rettete gleich zweimal auf der eigenen Torlinie. „Wir haben im Bus noch darüber gesprochen, welche Spielerin ins Tor gehen würde, wenn die Torhüterin ausfällt und wir nicht mehr wechseln können. Und ich wäre ins Tor gegangen“, erzählte Schüller bei DAZN: „Ganz witziger Zufall.“

Viele Tore erzielte die Stürmerin schon immer, trotzdem hing ihr der Ruf nach, in wichtigen Spielen nicht zu treffen. Nun könnte der Knoten endgültig geplatzt sein. Die Arsenal-Abwehr bekam sie zu keinem Zeitpunkt in den Griff, Schüller hatte noch weitere gute Chancen, kurz vor der Halbzeit verfehlte sie das Tor nur um Zentimeter. Vor allem aber zeigte Schüller im Spiel gegen den Ball eine starke Leistung, worin sie sich nach eigener Auskunft in dieser Saison deutlich verbessert hat. „Seit ich hier bin, ist sie eine andere Spielerin geworden, eine komplettere Spielerin“, lobte auch Trainer Alexander Straus die Entwicklung seiner Mittelstürmerin. Schüller habe mehr Ballkontakte, sie nehme mehr am Spiel teil und würde ihren Mitspielerinnen auch häufiger Treffer auflegen, erklärte der Norweger. „Ich denke, sie hat das Potenzial, auf ihrer Position eine der besten Spielerinnen der Welt zu werden“, sagte Straus.

Die Fans der Bayern-Frauen dürften deshalb aufgeatmet haben, als Sportdirektorin Bianca Rech unmittelbar nach dem Spiel vorsichtig Entwarnung gab. „Ich glaube, es ist nicht so schwerwiegend, wie es vielleicht aussah. Wir hoffen, dass wir sie in den nächsten Tagen fit bekommen“, sagte Rech über Schüllers Verletzung.

Auch Georgia Stanway, die in der Nachspielzeit den Platz angeschlagen verlassen musste, scheint sich nach ersten Einschätzungen nicht schwerer verletzt zu haben. Die beiden Leistungsträgerinnen sollten also fit werden für das Spitzenspiel des FCB (40 Punkte) gegen den VfL Wolfsburg (42 Punkte) am Samstag (17.55 Uhr), das vorentscheidend für den Gewinn der Meisterschaft wird. „Das Momentum ist auf unserer Seite“, sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer, der sich darüber freute, dass die 20 000 Fans in der Allianz Arena „wie eine Eins hinter der Mannschaft“ gestanden hätten.

Die Stimmung der Spielerinnen war entsprechend gut, aber nicht euphorisch. Denn sowohl gegen Wolfsburg wie auch im Rückspiel bei Arsenal am Mittwoch werden sich die Bayern-Frauen im Vergleich zur zweiten Hälfte steigern müssen. „Wir wollen nun in London an die Leistung der ersten Hälfte anknüpfen. In der zweiten haben wir teilweise um das Gegentor gebettelt. Wir müssen wieder schnell ein Tor machen, um hintenraus wieder etwas Luft zu haben“, gab Lea Schüller die Richtung vor.

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