Frankfurt/Main – Marc-André ter Stegen packte Mario Götze am Arm und grinste schelmisch: „Überleg dir deine Antwort gut.“ Sein Teamkollege war eben gefragt worden, gegen wen es im Training schwerer sei, ein Tor zu erzielen: ter Stegen oder Manuel Neuer? Als Götze seine Ausführung beendet hatte und erklärte, beides seien Weltklasse-Torhüter, meinte der Schlussmann des FC Barcelona: „Wunderschön gesagt. Gut rausgeredet, Mario.“
Die Szenerie auf der Pressekonferenz am Donnerstag zeigt: Die Laune ist gut bei ter Stegen. Ob das auch etwas mit seiner neuen Nummer bei der Nationalmannschaft zu tun hat? Immerhin läuft der Keeper künftig mit der Nummer eins auf und wird seinen neuen Rücken am Samstag gegen Peru (20.45 Uhr, ZDF) erstmals präsentieren. „Ich wurde gefragt, ich habe okay gesagt und viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Durch die Verletzung von Manu ist die Situation so wie sie ist, ich versuche meine Chance zu nutzen. Ob die Nummer eine Aussagekraft hat … am Ende zählt die Leistung“, so ter Stegen.
Dieser Umstand ist insofern brisant, weil der Keeper in der Vergangenheit Neuer schon häufiger vertreten hatte, wenn dieser verletzungsbedingt ausgefallen war. Allerdings noch nie mit der Nummer eins als Rückennummer. Zuletzt stand der 30-Jährige im vergangenen September beim 3:3-Remis gegen England zwischen den Pfosten – und zwar mit der 22. Doch nach dem Schien- und Wadenbeinbruch von Neuer hat Bundestrainer Hansi Flick entschieden, dass ter Stegen in den anstehenden Länderspielen im deutschen Tor steht – und auch darüber hinaus bei der Europameisterschaft im eigenen Land nächstes Jahr? Es ist kein Geheimnis, dass der gebürtige Mönchengladbacher seine Chance jetzt nutzen möchte, um endlich bei einem großen Turnier im Tor der DFB-Elf zu stehen: „Ich habe mein Ziel immer klar formuliert, das werde ich weiter verfolgen und alles dafür tun, dass es am Ende darauf hinausläuft. Am Ende zählt der Leistungsgedanke. Ich freue mich darauf, möchte die Spiele spielen, bereit sein. Ich hoffe, dass die ersten Spiele im neuen Jahr gut laufen.“
Trotz aller Rivalität kommt das Menschliche zwischen den beiden Ausnahme-Torhütern nicht zu kurz. Kurz nach seinem Ski-Unfall kontaktierte der Spanien-Legionär Neuer: „Wir hatten kurz hin und her geschrieben, als er sich verletzt hat. Ich hoffe, dass die Regeneration der Verletzung gut verläuft. Ich wünsche ihm, dass er schnell zurückkommt und sich aber die Zeit nimmt, dass er auch vollständig gesund wird.“
Für ter Stegen zählt jetzt die Gegenwart – und in der möchte er dem deutschen Spiel seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken: „Jeder Torwart hat seinen eigenen Stil. Die Abwehr muss sich ein bisschen umstellen und dementsprechend werde ich auch anders spielen als Manu. Ob besser oder schlechter, müssen andere beantworten.“ Er spiele gerne von hinten raus und versuche, bereits im Spielaufbau die richtigen Lösungen zu finden. Mit seinen Führungsqualitäten möchte ter Stegen dazu beitragen, die schwachen Auftritte in den letzten drei Turnieren vergessen zu machen: „Im Team versuchen wir uns zu pushen. Wir versuchen die Fehler aus der Vergangenheit abzustellen. In schwierigeren Situationen sollten die erfahrenen Spieler dann vorangehen.“
Für ihn geht es jetzt darum, mit Leistung seinen neuen Status als Nummer eins zu festigen. Immerhin stehen mit Kevin Trapp und Bernd Leno zwei Torhüter bereit, die auf ihre Chancen lauern.