Dass Sandro Wagner die SpVgg Unterhaching verlassen wird, auch wenn er sie in die 3. Liga führen sollte, ist keine Überraschung und kein Drama. Wagner fühlt sich als Trainer zu Höherem berufen, als Meinungsmacher im Fernsehen steht er ohnehin auf einer gut ausgeleuchteten Plattform, Unterhaching wird dann halt irgendwann zu klein. Das wird auch für die SpVgg verkraftbar sein, wenn wieder ein prominenter Kopf sie verlässt. Sie kennt es nicht anders, sie fügt sich, sie lebt ja eigentlich sogar davon: Als eine Art Labor ist sie zu einer festen Größe im deutschen Fußball geworden, auch über zwei Jahrzehnte nach der spektakulären Zeit in der Bundesliga und drei Spielklassen tiefer ist sie nicht vergessen. Schon erstaunlich, in wie vielen Lebensläufen an der Spitze der Fußballbranche die SpVgg Unterhaching auftaucht. Sie überstrahlt alle anderen Regionalligisten – dies auch dank Manni Schwabl, ihres Präsidenten zwischen bayerischem Barock und intelligenter Innovation.
Und dennoch: Die SpVgg Unterhaching steht auf der Kippe. Nicht wegen des sich verabschiedenden Sandro Wagner, sondern aufgrund finanzieller und struktureller Entwicklungen, die sich – wie es aussieht – nicht schicksalhaft ergeben haben, sondern selbst verschuldet sind. Frage eins: Wie gerät man in Turbulenzen, wenn man noch im Sommer beim Transfer des Nationalspielers Karim Adeyemi von Salzburg nach Dortmund (verdientermaßen, denn man hat den Burschen mal mit großgezogen) Millionen mitverdient? Das erscheint so mysteriös wie vor gut 30 Jahren beim 1. FC Köln mit den „Häßler-Millionen“ nach dem Verkauf des Stars nach Italien. Und wie kann in Haching das Geld ausgehen, wo man sich doch immer rühmte, Spielern lieber Perspektive als die dicke Kohle zu geben? Und wir wollen nicht vergessen: Die SpVgg Unterhaching ist an der Börse notiert!
Verwunderlich auch das Gebaren in der Stadionfrage. Dass man an seinem Vermieter, der Gemeinde, vorbei untervermietet an ein American-Football-Team, ist eine rechtlich mindestens strittige Konstellation. Und auch wenn klar ist, dass die Gemeinde lieber von zwei Organisationen Pacht kassiert als von einer, so ist doch zu verstehen, dass sie sich hintergangen fühlt. Unterhaching muss daran gelegen sein, auch künftig mit Fußball in Verbindung gebracht zu werden, doch zuallererst steht die SpVgg mit ihren Kapitalgesellschaften in der Pflicht, ihr Haus zu bestellen.
Guenter.Klein@ovb.net