Misstöne im Bullen-Imperium

von Redaktion

Zwischen Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff und Motorsport-Urgestein Helmut Marko knirscht es hörbar

München – Daran muss sich Red-Bulls neuer Chef Oliver Mintzlaff (47) erst gewöhnen: Dass es Untergebene gibt, die nicht vor Ehrfurcht die Hände an die Hosenfalte legen, wenn er in der Nähe ist. Um das zu üben, ist Red-Bulls alter Formel-1-Haudegen Helmut Marko (79) gerade richtig. Der weiß alles über die Formel 1 und redet dabei immer geradeaus, ohne auch nur das dünnste Blatt vor den Mund zu nehmen. Davon konnte sich der ehemalige Leichtathlet auch jetzt bei seinem Besuch des Red-Bull-Rennstalls in Saudi Arabien überzeugen. Der neue Grande der österreichischen Bullen war gar nicht erfreut, dass sein Formel-1-Chefberater ihn gleich erinnerte, dass das Leben nicht nur ein Energydrink ist.

„Ich glaube, Mintzlaff ist ja eh beschäftigt nach Manchester …“, stichelte der ehemalige Formel-1-Pilot nach der 0:7-Niederlage von RB Leipzig gegen Manchester City in der Champions League.

Allein: Dass es für Marko und seine Formel-1-Jungs von Red-Bull-Racing mit Mintzlaff als oberstem Wächter des Getränkekonzerns eine neue und im Moment noch befremdliche Situation ist, kann man spüren. Denn der Deutsche Mintzlaff macht in seiner neuen Rolle offenbar mehr Druck als der Gründer selbst. Das sorgt für bisher in der Form kaum gekannte Missstimmung bei den Teams des Energydrink-Giganten. Erst tauchten Gerüchte über einen möglichen Verkauf des Juniorteams AlphaTauri auf, die Teamchef Franz Tost mühevoll dementierte. Anschließend teilte Marko beim Red Bull eigenen Portal Speedweek gegen den neuen Sportchef aus. Mateschitz sei „ein Visionär“ gewesen, „der Emotionen hatte“, so der Jurist. Das könne er „jetzt nicht mehr sehen“.

Droht da etwa ein Machtkampf? Fest steht: Für Marko ist es eine ungewohnte Situation. Während sein guter Freund und Bruder im Geiste Mateschitz nur ganz selten zu den Rennen kam, war Mintzlaff bereits beim Saisonstart in Bahrain vor Ort. Als Indiz für negative Schwingungen in der Red-Bull-Führungsetage will Marko seine Aussagen indes noch nicht gewertet wissen. „Man kann das nicht vergleichen“, relativiert er und teilt indirekt erneut aus: „Mit Mateschitz war das eine Beziehung über 30 Jahre. Er war ein profunder Kenner des Motorsports.“ Mintzlaff sei neu und habe natürlich seine Ideen, aber nach zwei Monaten könne man nicht das gleiche Verhältnis haben. Marko: „Aber das ist noch kein Grund, dass man sagt, es passt nicht.“ RALF BACH

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