München – Trainer-Beben beim FC Bayern: Der deutsche Rekordmeister trennt sich von Julian Nagelsmann (35). Zuerst berichtete der italienische Journalist Fabrizio Romano am späten Donnerstagabend über die Gerüchte. Thomas Tuchel (49) soll nun die Nachfolge von Nagelsmann antreten. Der ehemalige Chelsea-Coach, der in München eine Wohnung besitzt, war zuletzt vereinslos. Laut „Bild“ soll er schon am Montag das Training des Rekordmeisters an der Säbener Straße leiten und damit pünktlich zum Bundesliga-Kracher am 1. April (18.30 Uhr) gegen seinen Ex-Club und Tabellenführer Borussia Dortmund auf der Bayern-Bank sitzen.
Über ein vorzeitiges Nagelsmann-Aus wurde in den vergangenen Tagen im Bayern-Umfeld bereits getuschelt. Nun machen die Bayern-Bosse Nägel mit Köpfen – und werfen Nagelsmann wenige Tage nach dem 1:2 in Leverkusen raus. Nach der Pleite am Sonntag hatte Sporvorstand Hasan Salihamidzic (46) bereits knallhart abgerechnet. „So wenig Antrieb, so wenig Mentalität, so wenig Zweikampfführung, so wenig Durchsetzungsvermögen habe ich selten erlebt“, so Brazzo, der damit die Mentalitätsfrage gestellt hatte.
Fakt ist: Der FC Bayern zeigte in dieser Saison zwei Gesichter. Beeindruckend: In der Champions League marschierten die Münchner mit acht Siegen aus acht Spielen souverän ins Viertelfinale. Besorgniserregend: In der Bundesliga verspielte der Rekordmeister neun Punkte Vorsprung auf Dortmund. Die schlechteste Saison in der heimischen höchsten Spielklasse seit elf Jahren. Dafür geben die Verantwortlichen offenbar Nagelsmann die Hauptschuld.
Trotzdem kommt die Trennung überraschend. Nagelsmann, galt bei seiner Unterschrift eines Fünfjahresvertrags 2021 noch als Langzeitlösung. Der Münchner zahlten damals einen Sockelbetrag von 15 Millionen Euro an RB Leipzig für den Landsberger. Öffentlich hatten die Bosse immer wieder betont, vom jüngsten Bayern-Meistertrainer der Geschichte überzeugt zu sein. Erst am Montag sagte Präsident Herbert Hainer (68) in einem Interview mit dem „kicker“, dass der Verein mit Nagelsmann auf jeden Fall langfristig plane, „weil wir mit ihm etwas aufbauen wollen. Man erkennt einen deutlichen Fortschritt in diesen eineinhalb Jahren. Julian macht es sehr gut. Die Trainer-Diskussion zwischendurch kam von außen, die haben nicht wir vom Zaun gebrochen.“ Ehrenpräsident Uli Hoeneß (71) witterte sogar eine Kampagne gegen Nagelsmann, wie er am 7. März vor dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain kritisierte. Nun die Trennung. Nach Informationen unserer Zeitung muss Nagelsmann an diesem Freitag zum Rapport an die Säbener Straße und wird dann offiziell über seinen Rauswurf informiert. Den Mittwoch genoss der Trainer noch bei strahlendem Sonnenschein mit Freundin Lena Wurzenberger beim Skifahren im Hochzillertal. Auf „kicker“-Nachfrage, ob er bereits etwas von seinem Rauswurf gehört habe, antwortete am Donnerstagabend: „Nein, noch nicht.“ Eine offizielle Bestätigung der Trennung blieb aus.
Nagelsmann stand schon länger in der Kritik – weil er viel Angriffsfläche bot. Einerseits wegen seines extrovertierten Verhaltens, andererseits wegen seinen Äußerungen, mit denen er häufig Unruhe in den Verein brachte. Bestes Beispiel: Nach der 2:3-Niederlage in Mönchengladbach bezeichnete er das Schiedsrichtergespann als weichgespültes Pack. Nun muss er seine Koffer an der Säbener Straße packen.