München – Trevor Parkes erzielte das 2:0 im dritten Spiel gegen Bremerhaven (Endstand 7:1) und das 1:1 im vierten (es ging schließlich 3:1 aus). Es waren nicht nur einfach Tore, sondern Wegmarken. Sein 104. Treffer für den EHC München – womit er mit Michael Wolf, dem Goalgetter der Jahre 2014 bis 19, gleichzog. Und die Nummer 105 – nun hält er den Rekord alleine. „Das ist aufregend, seine Zahlen erreicht zu haben“, sagt er. Parkes (31), gebürtig aus Ontario, Kanada, spielt seit fünf Jahren für München; und weil zwei der Saisonen wegen Corona ein wenig kürzer gerieten, ist seine Ausbeute sogar höher zu bewerten als die des Füsseners Michael Wolf.
Wolf, heute 42, gilt beim EHC München als Legende. Doch wird auch Trevor Parkes eine sein? Oder Daryl Boyle, der 2014 einstieg und am Mittwoch zum 500. Mal im Münchner Dress auflief? Und überhaupt: Hat ein noch junger Club – gegründet 1998, damals noch als Freizeit- und Spaßprojekt, ab 2013 nach der Übernahme durch den Red-Bull-Konzern ein hochprofessioneller Betrieb – so etwas wie Geschichtsbücher, in denen beim Blättern liebevolle Erinnerungen aufploppen?
Zumindest gibt es Rekordlisten – und sie zeigen, dass die Geschichte wirklich noch jung ist, weil sie von der Gegenwart bestimmt wird. Bei den meisten Spielen führt Boyle vor Yannic Seidenberg, der in seiner ungeklärten Doping-Causa seit nunmehr sieben Monaten stillgestellt ist (477). Dritter ist der im EHC gereifte Garmisch-Partenkirchner Maxi Kastner (416), dann kommt der Paradebayer Kony Abeltshauser, der die stärkste emotionale Bindung an Eishockey in München hat. Als Tölzer Bua, Jahrgang 1992, wuchs er mit dem Bild der nahen München Barons auf, die es von 1999 bis 2002 gab. Deshalb war es nach Beendigung seiner Karrierephase in Nordamerika (2015) für ihn naheliegend, zum neuen Münchner Club zu wechseln. Fünfter der All-Time-Liste ist Frank Mauer (338 Partien), der zuletzt in Berlin spielte, Patrick Hager (305) wird nächste Saison vorbeiziehen.
Bei den Torschützen hat nun Parkes (105) Michael Wolf (104) überholt, Seidenberg (86), der gelernter Stürmer ist und beim EHC zum Verteidiger umgeschult wurde, ist bei 86 eingefroren, Frank Mauer kam auf 79, der Däne Mads Christensen, der vor drei Jahren gehen musste, auf 74.
Ist Parkes nun mehr Legende als Wolf? Das nicht. Wolf kam in den letzten Atemzügen seiner Laufbahn nach München, weil er auch mal Playoffs spielen und Deutscher Meister werden wollte. In Iserlohn, wo er sein Eishockey-Leben zugebracht hatte, landete er meist auf den zweistelligen Plätzen der DEL-Tabelle. Mit dem EHC wurde er 2016, 17 und 18 Meister, stand 2019 nochmals im Finale und führte die Mannschaft als Kapitän.
Trevor Parkes kam zur Saison 2018/19 nach zwei Jahren in Augsburg zum EHC München – und erwischte somit die bislang titellose Zeit beim EHC. Und die jetzige Saison verlief für ihn eher unbefriedigend. „Am Anfang war er verletzt, dann traf es andere Spieler, die mit ihm in eine Reihe gepasst hätten, wir mussten viel wechseln“, erklärt Trainer Don Jackson. Parkes, daran gewöhnt, in einer festen Formation zu spielen, hatte neun verschiedene Sturmpartner. Je zwölf Tore und Assists sind sein bislang schwächster Wert. Doch er trifft jetzt – und auch dank Parkes, der vor dem Tor raumgreifend agiert wie kein anderer, ist der EHC mit einem 2:2 in der Viertelfinalserie gegen Bremerhaven noch im Rennen.
Fortsetzung diesen Freitag (19.30 Uhr) in München.