Mit Humor und Hingabe

von Redaktion

Tuchel startet mit einer klaren Vorstellung in seinen Trainerjob in München

VON MANUEL BONKE

München – Als Thomas Tuchel zum ersten Mal die Bayern-Kabine in Fröttmaning betrat, bewies er gleich Humor. Die Trikots der Münchner Spieler hingen fein säuberlich auf den jeweiligen Plätzen. Ohne Umwege steuerte der 49-Jährige das Dress mit der Nummer 13 an: „Zum dritten Mal. Der arme Kerl.“ Gemeint war Eric Maxim Choupo-Moting, der nach gemeinsamen Stationen in Mainz und Paris nun auch in München wieder mit Tuchel zusammenarbeiten wird.

Wenn Tuchel am Montag seinen ersten Arbeitstag an der Säbener Straße antritt, wird der Stürmer aufgrund der Länderspielpause einer der wenigen sein, den der neue Coach dort antrifft. Neben Choupo, der seine Rückenprobleme in den Griff bekommen möchte, sind immerhin noch die beiden Kapitäne Manuel Neuer (Reha nach Schien- und Wadenbeinbruch) und Thomas Müller (nicht für die Nationalmannschaft nominiert) sowie Jamal Musiala (Aufbautraining nach Muskelfaserriss) in München. Der Großteil der Nationalspieler wird erst Mittwoch oder Donnerstag zurückerwartet – wenig Zeit bis zum Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr, Sky).

Einen Plan für das brisante Duell, in dem sich die Bayern wieder die Tabellenführung zurückerobern wollen, hat der Taktik-Tüftler trotzdem schon im Kopf. „Es ist eine entscheidende Saisonphase. Es gilt, am Samstag das erste Ausrufezeichen zu setzen“, sagte Tuchel bei seiner Vorstellung. Führungsspieler wie Joshua Kimmich oder Leon Goretzka will er nicht vorab telefonisch kontaktieren, weil er ein Freund des persönlichen Gesprächs ist – und niemanden, sich selbst eingeschlossen, überfrachten möchte: „Es werden nicht alle Spieler super happy sein. Es passiert ein großer Umbruch. Da kann Unsicherheit entstehen. Ich glaube, dass man am schnellsten Vertrauen fasst, wenn man auf den Platz geht. Es hilft allen, das Gras zu riechen und den Ball zu sehen.“

Bisher kennt Tuchel die meisten seiner Spieler nur vom Papier, die Ziele sind dennoch groß: „Es ist einer der besten und talentiertesten Kader in Europa. Man kann mit diesem Kader um jeden Titel spielen.“ Auch um die Meisterschaft, die Tuchel, der mit dem BVB den DFB-Pokal gewann, in seiner persönlichen Trophäen-Sammlung noch fehlt. Viele taktische Änderungen möchte der Neue für das Duell mit seinem Ex-Klub jedoch nicht vornehmen: „Es ist nicht die Zeit für große Wechsel in der Systematik oder in der Taktik. Weniger ist mehr. Ich habe eine Idee davon, was man machen kann.“

Dass Tuchel ein Experte auf dem Gebiet für die Übernahme einer Mannschaft mitten im Saisonbetrieb ist, hat er bei seiner vorherigen Station in Chelsea bewiesen: Die Blues übernahm er auf Tabellenplatz neun, kletterte mit ihnen bis auf Rang vier – und gewann die Champions League. In München ist sogar noch das Triple für ihn möglich: „Das setzt mich natürlich unter Druck. Aber wenn du bei Bayern unterschreibst, geht es darum, um alle Titel mitzuspielen.“

Ihrem bisherigen Trainer, das gaben Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic zu verstehen, haben sie es nicht mehr zugetraut, die Zukunft erfolgreich zu gestalten. Kahn, dem Nagelsmanns Rauswurf angeblich „die ein oder andere schlaflose Nacht“ bereitet hatte, betonte: „Wir haben jetzt einen der besten Kader in Europa und trotzdem ist die Leistungskontinuität der Mannschaft nicht besser geworden.“ Die Trennung sei keine „Panikreaktion“, sondern „wohlüberlegt“ gewesen.

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