München – Nur wenige Stunden nach der Vorstellung von Thomas Tuchel, schickten Bayerns Führungsspieler kritische Stimmen aus Mainz nach München. „Am Ende des Tages ist so das Geschäft, wenig Liebe, wenig Herz. Wir müssen lernen, damit umzugehen und auch mit der Entscheidung zu leben“, sagte DFB-Kapitän Joshua Kimmich zum Trainer-Beben und sorgte so dafür, dass Tuchels Vorgänger Julian Nagelsmann auch nach seiner überraschenden Freistellung ein großes Gesprächsthema bei den Bayern bleibt.
Für Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic war das Kapitel zu diesem Zeitpunkt offiziell abgehakt. 30 Minuten hatten sie am Samstagmittag noch einmal der Aufarbeitung der Nagelsmann-Zeit gewidmet. Anschließend wollten sie sich voll und ganz auf die Zukunft mit Tuchel konzentrieren. Eine Rechnung, die sie ohne ihre Führungsspieler gemacht hatten. Leon Goretzka sprach von einem „Schock“, es sei „extrem in diesem Geschäft, wie schnell so was gehen kann. . Ich hatte kein Risse mit Julian. Wir haben eine sehr enge Beziehung zu Julian gepflegt.“
Kimmich wollte seine Worte nicht als Kritik an der Vereinsführung verstanden wissen, sondern als generelle Beschreibung des Fußball-Geschäfts. Vollkommen einverstanden war der Vertraute von Nagelsmann mit den Worten von Salihamidzic dann aber doch nicht. Der Sportvorstand hatte Nagelsmanns Freistellung damit begründet, dass „die Konstellation zwischen Trainer und Mannschaft“ nicht mehr gepasst habe. Kimmich reagierte im rund 400 Kilometer von München entfernten DFB-Spielort Mainz: „Das war jetzt nicht so, dass es sich intern in der Kabine angedeutet hat, weil die Spieler unzufrieden waren.“
Salihamidzic ließ die Kritik am Sonntag weitgehend unkommentiert. „Die Leistungen waren ungenügend, das würde ich auch bestätigen“, äußerte der 46-Jährige im Sport1-„Doppelpass“ angesprochen auf die Aussagen von Kimmich. Mehr sagte er dazu nicht.
Und Nagelsmann? Der tauchte einen Tag nach seinem Rauswurf plötzlich 60 Kilometer westlich der Säbener Straße auf. Im Sportzentrum seiner Geburtsstadt verfolgte er erst das Spiel der B-Jugend des TSV Landsberg, dann kickte er mit Freunden selbst auf dem Nebenplatz. „Wir waren alle total überrascht“, berichtete Jugendtrainer Muriz Salemovic (34) in Bild.
Tuchel zeigte Mitgefühl mit dem Mann, den er einst beim FC Augsburg II trainierte und der ihm anschließend eine Weile als Scout zuarbeitete. „Ich kann nachvollziehen, dass es sich für Julian im Moment bescheiden anfühlt.“ Geht es nach spekulationsfreudigen Medien in England, könnte sich Nagelsmann aber schon bald wieder gut fühlen. Als Trainer von Tottenham Hotspur etwa. Der Evening Standard behauptete, der Deutsche sei „offen für Gespräche über einen Umzug nach Nord-London“. dpa, sid