München/Köln – Einige Momente in den letzten sechs Spielen gegen Bremerhaven waren für den EHC unangenehm: allen voran in den ersten beiden Duellen des Viertelfinals, als die Norddeutschen mit 2:0 in Führung gingen. Aber schließlich zählt es, wer den letzten Moment auf seiner Seite hat. Im sechsten Spiel am Sonntag waren es die Münchner als Chris DeSousa mit noch fast neun zu spielenden Minuten zum entscheidenden 2:1 traf.
„Wir haben in den letzten vier Spielen großartiges Eishockey gezeigt“, urteilte der 32-jährige Kanadier danach. Ermöglicht wurde diese Leistung, die Serie wieder in Richtung des Favoriten zu drehen, nicht nur aber auch durch die erfahrene Kräfte im Kader des EHC. Gestandene Nationalspieler etwa wie Kapitän Patrick Hager – und Rekordtrainer Don Jackson, der den Hauptrundensieger nach dem misslungen Start in die Playoffs wachgerüttelt hatte. „Wir mussten uns sehr steigern und das Gaspedal voll durchtreten“, sagte der US-Amerikaner, der seinem neunten Meistertitel einen großen Schritt näher gekommen ist.
Hager war mit den entscheidenden Toren in den Spielen vier und fünf maßgeblich daran beteiligt, dass dieser Schritt gelang. Der 34-Jährige muss mit seinen Kollegen noch auf den Halbfinalgegner warten, weil die Grizzlys Wolfsburg mit ihrem 4:3 nach Verlängerung gegen die Straubing Tigers ein siebtes Spiel am Mittwoch (19.30 Uhr) erzwangen.
In Mannheim sieht es da anders aus: Erstens wissen die Adler schon, dass es ab Freitag (19.30 Uhr/beide MagentaSport) mit dem Hauptrundenzweiten ERC Ingolstadt zu tun bekommen. Die Schanzer hatten bereits am Freitagabend mit einem spektakulären 7:6 nach 3:6-Rückstand gegen die Düsseldorfer EG ihre Serie beendet.
Zweitens ist in Mannheim, um die es gerade Gerüchte bezüglich eines Nachfolgers von Trainer Bill Stewart gibt (siehe Meldung rechts unten) gerade ein ganz Junger der Spieler der Stunde: Goalie Arno Tiefensee, der am Sonntag mit einer spektakulären Parade kurz vor Schluss den 3:2 Sieg bei den Kölner Haien und den Erfolg im Viertelfinale rettete.
„Er ist für mich der Spieler dieser Serie“, sagte Stewart danach über den 20-Jährigen. Dass der Mitfavorit nach schwierigem Beginn mit zwei Heimpleiten doch noch die Runde der letzten Vier erreichte, lag auch für den Coach nicht zu wenig an dem jungen Torhüter. „In den vergangenen 14 Tagen ist aus Arno ein Mann geworden“, stellte Stewart fest: „Wie er aufgetreten ist, sagt alles über ihn.“ Der Hochgelobte, der für den verletzten Stammgoalie Felix Brückmann eingesprungen war, entgegnete bescheiden: „Ich kann nicht allein gewinnen, das war eine super Teamarbeit.“ tj/sid