Alarm statt EM-Euphorie

von Redaktion

2:3 gegen Belgien – Steuert der DFB auf die nächste Turnier-Katastrophe zu?

VON MANUEL BONKE

Köln/München – Statt auf das Sommermärchen 2.0 steuert die deutsche Nationalmannschaft auf die nächste Turnier-Katastrophe zu. Dabei hatten sich Bundestrainer Hansi Flick und seine Spieler im Hinblick auf die Heim-Europameisterschaft im kommenden Jahr so viel vorgenommen, allen voran: Fußball-Deutschland mit ihrer Spielweise wieder für sich zu begeistern und dadurch die Fan-Herzen zurückzuerobern. Bei der 2:3 (0:3)-Pleite gegen Belgien war davon nichts zu sehen. Die Abwehr wackelig, die Offensive ideenlos und der Bundestrainer über weite Strecken ratlos.

„Ich glaube nicht, dass ich jetzt sage, wir sind superhappy und alles ist wunderbar. Das wäre der falsche Ansatz. Wir haben einiges noch zu tun“, erklärte Flick im Hinblick auf den nächsten Lehrgang im Juni und die ein Jahr später startende EM. Er habe gewusst, „dass wir vielleicht Rückschläge hinnehmen müssen“. Rund um die Spiele gegen Peru (2:0) und Belgien habe sich aber etwas entwickelt, so Flick: „Die Energie in der Mannschaft ist sehr positiv. Wir sind auf dem richtigen Weg, auch wenn noch nicht alles klappt.“

Abgesehen von der kämpferischen Komponente, die allen voran „Aggressive Leader“ Emre Can (Text unten) zeigte, funktionierte gegen die spielstarken Belgier, die nach ihrer Zwei-Tore-Führung durch Yannick Carrasco nach neun Minuten zwei Gänge runterschalteten, nichts. Die erste halbe Stunde war ein Offenbarungseid des deutschen Fußballs im Jahr 2023. Oder wie es Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus formulierte: „Was da Deutschland gespielt hat, war das Schlechteste, was ich bisher in meiner langen Laufbahn gesehen habe. Sie haben sich nicht in den Zweikämpfen gewehrt, haben die Belgier spielen lassen. Sie sind verdient 0:2 in Rückstand geraten.“ Flick stimmte Kumpel Matthäus in diesem Punkt zu: „Es muss einmalig bleiben, dass wir solche 25 Minuten gesehen haben.“

Erst mit dem Doppelwechsel und der Umstellung auf ein 4-3-3-System kam wieder etwas Struktur ins Spiel des DFB. Dabei schreckte Flick auch nicht davor zurück, Juwel Florian Wirtz nach 32 Minuten vom Feld zu nehmen – Höchststrafe! „Er hatte nicht den besten Tag. Da muss er durch. Er ist so gut, das spornt ihn eher noch an“, glaubt der Bundestrainer. In seinen Augen sei die Mannschaft in der zweiten Halbzeit sehr engagiert gewesen, „die Leidenschaft hat uns noch einmal zurückgebracht. 60, 65 Minuten war es von uns ein gutes Spiel.“

Das sieht freilich nicht jeder so. Allen voran Kapitän Joshua Kimmich, der selbst einen schwarzen Tag erwischte: „Man hat gemerkt, dass wir noch nicht auf internationalem Top-Niveau sind.“ Viel Zeit bleibt dem Bundestrainer nicht mehr, seine Mannschaft auf dieses Level zu heben. Die Sommermärchen-Uhr tickt.

Artikel 1 von 11