Rot gegen Rassismus

von Redaktion

Gegen Diskriminierung: Der FC Bayern nutzt seine Strahlkraft

München – Mehr als 200, das ist eine der vielen Zahlen, die das Bundesliga-Topspiel begleiten, und in diesem speziellen Fall ist sie besonders wichtig. Wenn der FC Bayern am Samstag (18.30 Uhr) Tabellenführer Borussia Dortmund zum Liga-Gipfel bittet, werden die Fernseher auf der ganzen Welt eingeschaltet. Ja, es sind tatsächlich mehr als 200 Länder, in die der heuer besonders brisante sogenannte deutsche „Clasico“ übertragen wird. Die Bühne ist groß, für die Spieler und den neuen Bayern-Trainer Thomas Tuchel sowieso – aber auch für die Botschaft, die von den 36 DFL-Clubs an diesem 26. Spieltag ausgesendet wird. Sie lautet „#StopRacism“ und wird vom FC Bayern in der Allianz Arena im Rahmen seiner clubübergreifenden Initiative „Rot gegen Rassismus“ umgesetzt.

„Wir werden Haltung zeigen“, kündigt Herbert Hainer an. Der FC Bayern hat während der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ in den vergangenen Tagen bereits mit seiner Frauen-Mannschaft sowie den Basketballern mit Aktionen am Rande ihrer jeweiligen Heimspiele Zeichen gesetzt, nun, nach der Länderspielpause, sind auch Thomas Müller und Kollegen dran. Aufwärmshirts, Kapitänsbinde, Eckfahnen und Banner werden das Engagement gegen Ausgrenzung sichtbar machen, das im Verein tief verwurzelt ist. Eine Aktion, die wichtige Reichweite schafft, wobei Hainer gegenüber unserer Zeitung betont: „Es reicht nicht, einmal im Jahr an einem Spieltag ein Shirt überzustreifen und ein Transparent hochzuhalten. Es geht um eine dauerhafte Sensibilisierung.“ Die Aktion „Rot gegen Rassismus“, vor drei Jahren ins Leben gerufen, sei daher „365 Tage im Jahr am Ball“.

Die gesellschaftliche Rolle des Fußballs zu nutzen, sich der sozialen Verantwortung und Strahlkraft bewusst zu sein, ist eines der Hauptanliegen des Präsidenten, der sich in seinem vierten Amtsjahr befindet. Die Bandbreite der Initiative „Rot gegen Rassismus“ ist groß, die Ideen weitreichend, der Club engagiert sich unter dieser Dachmarke gegen Diskriminierung jeder Art. Unter anderem wurden Podiumsdiskussionen, Aktionswochenenden sowie Videoclips produziert, einen davon auch mit anderen Münchner Vereinen. Hainer sagt mit einem Augenzwinkern: „Das zeigt, dass Rote und Blaue gemeinsam Gutes bewirken können.“ Der 68-Jährige ist sehr engagiert, erst kürzlich nahm er an der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Deportation der Münchner Sinti und Roma der Landeshauptstadt teil. Die Resonanz ist groß, intern wie extern, und das Ziel klar: „Wir wollen Menschen bewusst machen, dass wir alle aktiv die Gesellschaft gestalten müssen.“ Nicht zurückblicken, sondern „die Rückschlüsse auf die Zukunft anwenden“, sei die Herausforderung.

Auch der FC Bayern hat auf diesem Weg lernen müssen, am Ende ist man auf diesem Prozess noch nicht. Hainer betont den Blick nach innen, wo die Initiative „für das Thema sensibilisieren und ein nachhaltiges Bewusstsein verankern“ will. Im Rahmen der Aktionswochen werden daher unter dem Slogan „Verein(t) für Vielfalt“ Workshops, Vorträge und Dialogmöglichkeiten für die mehr als 1000 Mitarbeitenden des FC Bayern angeboten. Dem weitverbreiteten Reflex – „in meinen Augen sagen leider zu viele Menschen: ,Rassismus betrifft mich nicht!’“ – soll so entgegengewirkt werden, erklärt Hainer, denn „da muss man aufpassen, dass man sich nicht selbst etwas vormacht.“ Jeder Einzelne solle sich fragen: „Verstehen wir wirklich, wie Betroffene sich fühlen? Setzen wir uns wirklich ein?“ Beim Thema Alltagsrassismus könne jeder noch viel lernen, „gerade was das Verständnis und das Einnehmen der richtigen Perspektive angeht“. Beim FC Bayern wurde daher auch ein Handlungsleitfaden entwickelt, der den Angestellten konkrete Verhaltensweisen bei diskriminierenden Vorfällen an die Hand gibt.

In einem Sportverein nimmt freilich der Teamgedanke eine zentrale Rolle ein. Hainer geht es um „Respekt, Offenheit und darum, sich zu unterstützen“. Driftet ein Gebilde – auf dem Platz wie daneben – auseinander, müsse man „den zersetzenden Kräften entgegenwirken“. Auch er hat einen kritischen Blick auf die Gesellschaft im Jahr 2023, soziales Engagement sei wichtiger denn je, weil es letztlich immer auch bedeute, „sich zu fragen, wer man ist und wer man sein will“. HANNA RAIF

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