Elfer-Drama und Blut-Schock

von Redaktion

Berger und Leupolz bei Chelseas Königsklassen-Coup im Fokus

London – Ann-Katrin Berger schrie ihre Freude in die Nacht von London, breitete die Arme vor den tobenden Zuschauern aus und schlug sich auf die Brust – dann begruben ihre Teamkolleginnen die Elfmeter-Heldin unter sich. In einem Viertelfinal-Krimi bewies die Nationaltorhüterin Nerven aus Stahl und lässt den FC Chelsea nun weiter vom Triumph in der Champions League träumen. „Das ist ein unfassbarer Erfolg für uns“, sagte Berger nach dem 4:3 gegen Titelverteidiger Olympique Lyon im Elfmeterschießen, in dem die Keeperin mit zwei Paraden zur Matchwinnerin avancierte.

Trainerin Emma Hayes und ihre Mitspielerinnen gerieten ins Schwärmen über die 32-Jährige. „Ich liebe es, Ann-Katrin auf der größten aller Bühnen strahlen zu sehen. Sie hat es verdient“, sagte Maren Mjelde: „Sie ist für mich die beste Torhüterin der Welt.“ Hayes sprach von der wahrscheinlich stärksten Elfmeter-Keeperin, mit der sie „je zusammengearbeitet“ habe. Sie habe das Gefühl gehabt, „dass dies ihr Moment war, nach allem, was sie durchgemacht hat.“

Erst im vergangenen August hatte Berger die erneute Schockdiagnose Schilddrüsenkrebs erhalten. Doch wie bereits 2017 nahm die Vize-Europameisterin den Kampf an, feierte gut einen Monat später ihr Comeback.

Am Donnerstag sah es trotz des 1:0-Erfolges im Hinspiel für Chelsea nach dem 0:2 durch Nationalspielerin Sara Däbritz (110.) gar nicht gut aus. Doch nach langem Hin und Her und einer VAR-Entscheidung verwandelte Mjelde einen Foulelfmeter in der achten Minute der Nachspielzeit zum 1:2. Dann schlug die Stunde von Berger, die Wendie Renard und Lindsey Horan keine Chance ließ. Nervös sei sie „überhaupt nicht“ gewesen, sagte die DFB-Keeperin: „Ich liebe Elfmeterschießen. Ich spüre dort keinen besonderen Druck“, sie habe eher Respekt vor den Schützinnen wie Mjelde.

Den zollten die Fans in London auch Melanie Leupolz, die von Gäste-Verteidigerin Danielle van de Donk bei einem Luftzweikampf mit der Hand an der Nase getroffen wurde und so stark blutete, dass sie unter Applaus ausgewechselt werden musste. Die ehemalige Münchnerin reagierte mit Humor auf ihren schmerzhaften Auftritt. „Immerhin passt die Farbe meiner Fingernägel“, schrieb die Mittelfeldspielerin bei Insta-gram unter zwei Bilder, die sie auf dem Rasen liegend mit blutverschmierten Gesicht und knallrot lackierten Nägeln zeigen. „Bloody Mel!“, schrieb das Boulevardblatt „Sun“.

Chelsea bekommt es im April nun mit dem FC Barcelona zu tun, im Finale könnte es zum Duell mit dem VfL Wolfsburg kommen. Der deutsche Doublesieger war dank des Treffers von Alexandra Popp im Rückspiel gegen Paris Saint-Germain (1:1) ins Halbfinale eingezogen. „Wir freuen uns drauf, weil es der letzte Schritt Richtung Finale ist“, sagte die DFB-Kapitänin mit Blick auf die Partie gegen den FC Arsenal, der den FC Bayern München ausschaltete.  sid, dpa

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