„Es wird sehr unfair“

von Redaktion

So plant Tuchel seine erste Bayern-Startelf – Kimmich und Goretzka gesetzt

VON MANUEL BONKE

München – Leroy Sané war der Erste, mittlerweile hat es auch Benjamin Pavard erwischt: Thomas Tuchel verpasste ihnen im Training einen liebevollen Tritt in den Hintern. Womöglich ein erstes Indiz, welche Spieler der neue Cheftrainer in seine erste Bayern-Startelf befördert? Vor dem Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr, Sky) hat der 49-Jährige in Sachen Personal die Qual der Wahl – oder wie es in München gerne formuliert wird: Luxusprobleme.

Abgesehen vom 17-jährigen Mathys Tel (Muskelfaserriss) und den Langzeit-Verletzten Manuel Neuer (Reha nach Schien- und Wadenbeinbruch) und Lucas Hernandez (Reha nach Kreuzbandriss) steht ihm der komplette Kader zur Verfügung. Doch wie entscheidet der neue Mann in der Coaching-Zone, welche Spieler er von Anfang an auf den Platz schickt? Immerhin ist es nach zwei Einheiten mit der gesamten Mannschaft schier unmöglich, nach Trainingsleistung aufzustellen. „Es wird eine sehr unfaire Aufstellung werden, weil die Eindrücke fehlen“, erkärte Tuchel und kündigte an, selbige Worte auch an sein neues Team zu richten: „Ich will jedem die Chance geben, es ist aber sehr, sehr schwer, rückblickend Schlüsse zu ziehen.“ Daher habe er sich auch nicht darauf fokussiert, „die vergangenen Spiele totzuanalysieren. Wir wollen nach vorne blicken. Wir haben auf dem Trainingsplatz versucht, ein paar Abläufe reinzubringen“.

Heißt im Klartext: Jeder einzelne Spieler startet bei null. Gute Nachrichten für Sorgenkinder wie Sané, Serge Gnabry oder Joao Cancelo.

Allerdings verbittet es sich Tuchel, Sané als Negativ-Beispiel der Zeit unter Vorgänger Julian Nagelsmann zu nennen: „Es wäre unfair. Wir müssen so viele Spieler wie möglich an ihr Leistungslimit bringen. In allererster Linie braucht der Spieler aber den Willen. Es erfordert mentale Stärke und einen außergewöhnlichen Sportsgeist bei Bayern.“ Eine versteckte Botschaft an diejenigen, die zuletzt unter ihren Möglichkeiten geblieben sind? „Man muss täglich ans Limit gehen, es geht in kleinen Schritten, Tag für Tag. Dann sind wir die Ersten, die die Spieler mit Unterstützung pushen. Wir können es nie alleine schaffen, der Großteil liegt am Spieler“, so Tuchel. Klingt nach Zuckerbrot und Peitsche.

Trotzdem wurde am Freitag auf der Spieltagspressekonferenz klar, dass Tuchel bereits eine Achse im Kopf hat, angeführt von den Führungsspielern Thomas Müller, Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Besonders von Mittelfeldchef Kimmich zeigte sich der Fußballlehrer angetan, bezeichnete ihn als „Musterprofi“, weil er den FC Bayern mit seinem Willen und Ehrgeiz verkörpere: „Er nimmt gemeinsam mit Leon Goretzka Schlüsselpositionen im Mittelfeld ein.“

Ob Tuchel die Dreierkette von Nagelsmann fortführt oder wieder zu einer Viererkette zurückkehrt, wollte er jedoch nicht verraten. „Ich würde gerne, aber es geht einfach nicht“, schmunzelte der Coach und erklärte: „Wir entscheiden es spät, das Spiel ist zu wichtig. Wir wollten unsere Ideen reifen lassen. Wir spüren eine positive Energie. Ich hatte das Gefühl, dass jeder Bock hat.“ Ob das auch so bleibt, wenn Tuchel am Samstag die ersten harten Entscheidungen treffen muss? „Die, die morgen starten, haben die Möglichkeit, ihren Platz zu behalten.“ Und die anderen sollen Druck machen.

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