Im Westen der Fußball-Republik hat man sich einiges einfallen lassen, um den FC Bayern diese Saison vom Bundesliga-Thron zu stoßen. So lässt der Dortmunder Cheftrainer Edin Terzic seit Wochen Spielszenen des deutschen Rekordmeisters über die Bildschirme im Dortmunder Trainingszentrum in Brackel flimmern, um sein Team auf das Spitzenspiel am Samstag einzuschwören. Bereits Anfang Januar hielt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Trainingslager in Marbella eine Rede zur Mannschaft, die offenbar Eindruck hinterließ. Dabei appellierte der BVB-Boss, dass viele Spieler zwar viel Talent mitbrächten. Dieses sei aber nur mit der nötigen Willenskraft so wirksam, dass man die eigentlich vorhandene Qualität auch auf dem Platz sehe.
Zum Zeitpunkt dieser Rede befand sich Dortmund mit neun Punkten Rückstand auf die Münchner auf dem sechsten Tabellenrang. Nun liegt der BVB mit einem Zähler Vorsprung vor dem deutschen Rekordmeister an der Spitze – und könnte diesen im Falle eines Auswärtssiegs auf vier Punkte ausbauen. Eine Meister-Prämie in Höhe von sechs Millionen Euro soll die letzten Prozentpunkte aus der Mannschaft kitzeln, um die Schale wieder am Borsigplatz präsentieren zu können.
Ein nett gemeintes Maßnahmenpaket der Dortmunder Chefetage, das der FC Bayern am Samstag um 20.15 Uhr pulverisiert haben wird, wenn Schiedsrichter Marco Fritz die Partie abpfeift. Die vergangenen zehn Tage glichen einem Erdbeben an der Säbener Straße – und aufmerksame Beobachter des FC Bayern wissen: Wenn stürmische Zeiten in München mit einer Trainer-Entlassung enden, sind die Bayern am stärksten. Dann ist das eitle Star-Ensemble nämlich an der Ehre gepackt und tut alles dafür, um der Fußball-Öffentlichkeit zu beweisen: Ja, es lag am Trainer und nicht an uns. Und was wäre besser als Botschaft geeignet, als sich die Tabellenspitze mit einem Erdrutschsieg wieder zurückzuerobern?
Die Spieler wissen, dass sie nun in der Pflicht stehen. Das zeigt auch die Vergangenheit: Als sich der FC Bayern im November 2019 vom damaligen Trainer Niko Kovac trennte, hieß der Gegner im nächsten Spiel ebenfalls Borussia Dortmund. Unter der Regie von Hansi Flick wurde der Gegner mit 4:0 aus dem heimischen Stadion gefegt. Ein ähnlich klares Ergebnis wird auch Thomas Tuchel einfahren.
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