Bayern-Sieg im Topspiel

Alles wie immer: Der BVB gratuliert

von Redaktion

HANNA RAIF

Die geschlossene Mannschaftsleistung zeigte Borussia Dortmund nach Abpfiff. Kein Wort des Vorwurfs hörte man in Richtung Gregor Kobel, obwohl der Patzer des Keepers das Topspiel der Bundesliga – positiv formuliert – in eine entscheidende Richtung gelenkt hatte. Tenor: Ohne Kobel wäre der BVB überhaupt nicht als Tabellenführer nach München gereist. Hörte sich deutlich besser an als die These, dass der BVB ohne Kobel noch oben stehen könnte. Hätte, wäre, täte, wie immer.

Ja, es ist schon wieder passiert, zum neunten Mal hintereinander, und im Torverhältnis aus diesen sogenannten Bundesliga-Spitzenspielen in München steht es seit dem letzten BVB-Sieg im Jahr 2014 (!) 37:8 für den Branchenprimus aus München. Dass man trotzdem vor dem Anpfiff wieder die Magie des „Clasicos“ beschwor, dass es in der Allianz Arena am Samstag knisterte wie sonst nur vor K.o.-Spielen in der Champions League, war mit Blick auf diese eigentlich verheerende Bilanz als Kompliment für den BVB zu verstehen. Als hätte man nicht erwarten können, dass jegliche Hoffnung auf eine Partie auf Augenhöhe schnell vorüber sein würde. Um genau zu sein: nach 23 Minuten, beim Stand von 3:0.

Auch wenn das Topspiel am Ende 4:2 ausging – und die Bayern schwächere Phasen offenbarten –, trat der BVB die Heimreise genauso konsterniert an wie immer. Dass das Team von Edin Terzic mutig begonnen hatte und ein individueller Fehler zum Rückstand geführt hatte, konnte minimal besänftigen, tut in der Gesamtbewertung aber nichts zur Sache. Es bleibt dabei, dass diese so hochtalentierte Mannschaft es – egal, in welcher Konstellation, egal, unter welchem Trainer – in München nicht schafft, ihren Ansprüchen gerecht zu werden und dem Dauer-Meister Paroli zu bieten. Und somit selbst in einer Saison, in der die Bayern alles andere als übermächtig agieren, wohl wieder zum Titel gratulieren muss.

Noch ist nichts passiert, noch sind es nur zwei Punkte – auch diese Worte hörte man von den auf dem Feld auseinander gebrochenen Dortmundern nach Abpfiff unisono. Zählt man die Umstände – big point im direkten Duell, positive Energie nach Trainerwechsel – jedoch zusammen, wäre alles andere als die elfte Serien-Meisterschaft der Bayern ab sofort eine Überraschung. Die Spannung wenigstens bis zum Ende hochzuhalten, schuldet der BVB all denjenigen, die tatsächlich an ihn geglaubt haben. Bei dieser Mission einen Mann wie Kobel im Tor zu haben, kann ein Vorteil sein. Also: eigentlich.

Hanna.Raif@ovb.net

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