Wolfsburg/München – Schon Außenseiter Bremerhaven hat den hohen DEL-Favoriten EHC München in den Playoffs länger aufgehalten, ihm im Viertelfinale zwei Spiele abgenommen. Und seit Sonntagnachmittag ist auch das klar: Die jetzige Runde, das Halbfinale, wird der Hauptrunden-Erste EHC auch nicht im Eilverfahren durchbringen. Die Grizzlys Wolfsburg glichen mit einem 3:2 (2:0, 0:1; 1:1)-Sieg die Best-of-Seven-Serie zum 1:1 aus. Am Freitag hatten die Münchner zuhause ein 5:2 vorgelegt.
„Wer denkt, man spaziert in den Playoffs in einem Sweep durch, täuscht sich“, sagte EHC-Kapitän Patrick Hager. Sweep ist der Fachbegriff für eine erfolgreich bestrittene Serie, in der man kein Spiel abgibt. Einen Sweep hatte München 2016 bei der ersten Deutschen Meisterschaft im Finale gegen Wolfsburg hingelegt und auch die weiteren Serien seitdem (Finale 2017, Halbfinale 2022) für sich entschieden. „Wir haben mehr als eine Rechnung offen“, sagt der schon seit 14 Jahren für Wolfsburg spielende, derzeit verletzte Allgäuer Armin Wurm, der von außen ein Spiel erlebte, in dem der EHC München die meiste Zeit dominant auftrat – was diesmal aber nicht reichte.
Patrick Hager kritisierte die eigene Mannschaft fürs erste Drittel. In dem habe man sich phasenweise „einschnüren lassen, da kam eine Wolfsburger Welle nach der anderen auf uns zu.“ Folge: ein 0:2-Rückstand. „dem wir die ganze Zeit hinterhergelaufen sind. Du brauchst halt volle 60 Minuten.“
Ärgerlich aus Münchner Sicht war, dass zwischen 0:1 durch Tyler Morley und 0:2 durch Dave Archibald nur 19 Sekunden lagen, beide Gegentreffer fielen in der 16. Minute. Beim zweiten hatte Torhüter Mathias Niederberger einen Blackout. Hinterm Tor verspielte er – nicht zum ersten Mal in dieser Saison – die Scheibe. Letztlich waren von 17 Schüssen auf Niederbergers Kasten drei drin.
Gegenüber fand die spektakulärere Torwart-Partie statt: Dustin Strahlmeier lieferte 44 Paraden ab, im zweiten Drittel, nach dem Anschlusstor von Filip Varejcka (28.), meisterte der gebürtige Gelsenkirchener im Akkord Münchner Schüsse und Alleingänge.
Im letzten Abschnitt musste er leiden. Massiv. In der 51. Minute traf ihn ein harter EHC-Schuss an einer der wenigen Stellen des Körpers, die von der Ausrüstung nicht komplett geschützt ist: zwischen Schlüsselbein und Hals. Als er auf dem Eis lag, kamen von den Rängen der Wolfsburger Arena erst aufmunternde „Strahli, Strahli“-Rufen, beim Einsatz der Sanitäter herrschte dann betretenes Schweigen – bis der Goalie sich wieder erhob, Wasser auf die wehe Stelle träufelte, weiterspielte und noch einen weiteren Puck in die heftig getroffene Gegend abbekam.
Münchner Pech war, dass ein vermeintliches 2:2 nicht anerkannt wurde, wegen eines Crosschecks von Hager, und die Grizzlys das Powerplay durch Spencer Machacek zum 3:1 nutzten (48.).
Hager traf zum 3:2 (54.), die Schlussphase von 3:15 Minuten bestritt der EHC München ohne Torhüter, die Wolfsburger brachten den Vorsprung wankend über die Zeit. Nun wird es sicher ein fünftes Halbfinalspiel geben.