Duell der Enttäuschten

von Redaktion

Jacobacci fordert Sieg in Ingolstadt: „Wir sind vielen Leuten etwas schuldig“

VON ULI KELLNER

München – „Schwarzer Dienstag“ in der 3. Liga schrieb der Sportinformationsdienst am 27. Februar, denn was in München an diesem Tag ein wenig unterging: Nicht nur 1860-Coach Michael Köllner wurde nach einer Misserfolgsserie entlassen. Dieses Schicksal traf eine Stunde später auch Rüdiger Rehm vom FC Ingolstadt. Nicht nur einmal hatten die oberbayerischen Rivalen Aufstiegsduelle ausgefochten – nun setzten FCI und Löwen am selben Vormittag ihre Hoffnungsträger vor die Tür.

Knapp fünf Monate vorher, am 8. Oktober 2022, hatte in Giesing noch der Tabellenführer den auf Platz sieben lauernden FCI empfangen und sich über die erste Heimniederlage geärgert (1:2). Heute, vor dem Wiedersehen im Audi-Sportpark (19 Uhr), herrscht hier wie dort große Ernüchterung. Beide Clubs zieren das Ende der Rückrundentabelle und sind auch mit ihren neuen Trainern nicht so richtig in die Spur gekommen. Bei 1860 holte Maurizio Jacobacci nach einem sieglosen Trainer-Intermezzo von Sportchef Gorenzel fünf Zähler aus ebenso vielen Spielen. Bei den Schanzern wackelt sogar schon der Rehm-Nachfolger: In neun Spielen unter der Leitung von Guerino Capretti blieben für den FCI magere vier Punkte hängen.

Zwischenzeitlich musste in Ingolstadt auch Sportdirektor Malte Metzelder gehen, der beide Trainer installiert hatte. Capretti könnte ihm bald folgen. Wie stark der gebürtige Italiener unter Druck steht, belegt eine Aussage von Sportvorstand Dietmar Beiersdorfer, geäußert im Donaukurier: „Rino Capretti ist unser Cheftrainer und wird unsere Mannschaft auf das Spiel gegen die Löwen vorbereiten“, sagte der frühere HSV-Profi: „Er wird das Team am Montag im Audi-Sportpark coachen.“ Wie es im Misserfolgsfall weitergeht, kann sich jeder dazu denken.

Der Umstand, dass sein Landsmann zum Siegen verdammt ist, dürfte Jacobacci in die Karten spielen – wenngleich auch der 1860-Coach nicht sorgenfrei anreist: Die 1:4-Heimpleite gegen Dortmund II weckte neue Zweifel an der Stabilität des Teams, nachdem acht Tage zuvor alle dachten, das 3:1 von Aue sei endgültig die Wende zum Guten gewesen. Am Sonntag betonte Jacobacci erneut, dass er die „Winner-Mentalität“ bei seinem Team vermisst – nicht nur deswegen erwartet er in Ingolstadt eine Reaktion: „So eine Niederlage wie Dortmund, die nagt“, sagte er: „Ich will ein Team auf dem Platz sehen, das sich zerreißt – und wenn sie den Ball hat, mutigen Fußball spielt.“

Anders als der Gegner, der fünf Ausfälle beklagt, hat Jacobacci die Qual der Wahl, will aber weiterhin wenig Gebrauch davon machen. „Man muss aufpassen mit den Rotationen“, dozierte er: „Wenn man zu viel wechselt, kann es passieren, dass das Ganze wieder einen Schritt zurückgeht.“ Daher: Leandro Morgalla dürfte nach seinem Einsatz für die deutsche U 19 zurück ins Team rücken, Raphael Holzhauser dagegen trotz einer ansprechenden Jokerleistung gegen den BVB in der Warteschleife bleiben.

Dass aus dem emotionsgeladenen Oberbayern-Derby ein Duell der Enttäuschten geworden ist, findet Jacobacci „traurig“, wie er zu unserer Zeitung sagte: „Man sieht, dass man immer beharrlich bleiben muss.“ Auf die Frage, was in dieser Saison für 1860 noch zu gewinnen sei, sagte er: „Siege geben uns den Respekt zurück, den wir vielleicht verloren haben. Das ist ein großes Gut. Wir sind vielen Leuten etwas schuldig.“

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