München – Für Thomas Tuchel lief noch nicht alles rund. Der neue Mann hatte in den Katakomben der Allianz Arena Orientierungsprobleme. Beim Betreten musste er sich erst in Richtung Trainerkabine fragen, ehe er sich beim Verlassen vom Ordnungspersonal den Weg zum Parkplatz zeigen ließ. Fußballerisch hingegen wurde schon deutlich, mit welchen Kniffen er sein Team wieder an die Tabellenspitze coachte.
Viererkette: Wegen der Länderspielpause blieben Tuchel zweieinhalb Trainingseinheiten mit der kompletten Mannschaft. Also setzte der Fußballlehrer auf ein vertrautes System und ließ, anders als Vorgänger Julian Nagelsmann, mit einer Vierer- statt einer Dreierkette spielen. „Er hat ein System gesucht, das zu unseren Stärken passt, das hat man heute gut gesehen“, sagte Joshua Kimmich. Zur Erinnerung: Sowohl mit Jupp Heynckes als auch unter Hansi Flick gewannen die Münchner mit dieser Grundordnung die Champions League.
Thomas Müller: Es macht den Anschein, als sei Thomas Müller unter dem neuen Trainer wieder unantastbar. Spielt Müller immer? „Wenn er sieben Jahre jünger wäre, würde ich das unterschreiben“, sagte Tuchel – und sang ein Loblied: „Er ist einer der Spieler, die den FC Bayern verkörpern, ein wichtiger Ansprechpartner. Thomas ist nicht nur das Trüffelschwein im Strafraum: Der Fleiß, das Selbstverständnis ist die Basis für die Karriere.“ Ihn auf seine typischen Müller-Tore zu reduzieren, ist in den Augen Tuchels zu wenig: „Der hat einfach Bock zu kicken, Bock auf Sport. Ein lebhafter Charakter, ist sich für nichts zu schade. Ein Vorbild.“
Kontrolliertes Pressing: Unter Nagelsmann waren die Münchner Pressing-Aktionen immer enorm hoch, weshalb die Rest-Verteidigung häufig Probleme bei gegnerischen Konterangriffen hatte. Unter Tuchel war das Pressing-Verhalten kontrollierter. „Durch das etwas tiefere Pressing hatten wir gute Situationen, in denen wir den Ball erobern und gute Chancen kreieren konnten“, beschrieb Kimmich den kleinen, aber feinen Unterschied.
bok, hlr