Deutscher Machtwechsel bei UEFA und FIFA

von Redaktion

Bahn frei für Neuendorf und Watzke – Europa-Boss Ceferin vor Wiederwahl

Lissabon – Noch ein letztes Mal vertrat Rainer Koch am Dienstag den deutschen Fußball auf europäischem Parkett, stimmte im luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel Corinthia in Lissabon über den Ausrichter der Frauen-EM 2025 ab. Am Tag darauf vollzieht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen internationalen Machtwechsel. Vize Hans-Joachim Watzke wird im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) auf Koch folgen, Boss Bernd Neuendorf tritt im Council des Weltverbands FIFA in die Fußstapfen von Peter Peters. Mangels Gegenkandidaten ist ihre Wahl auf dem 47. UEFA-Kongress in der portugiesischen Hauptstadt am Mittwoch (10.00 Uhr MESZ) reine Formsache.

„Ich habe hohen Respekt davor. Das ist eine Aufgabe, die, wenn man sie ernst nimmt, viel Kraft und Zeit kostet“, sagte Neuendorf: „Denn es ist mein Anspruch, mich auch in der FIFA stark einzubringen. Austausch und Dialog sind unverzichtbar, um mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit zu erreichen.“

Zuletzt hatte der DFB-Präsident mit der verweigerten Gefolgschaft für FIFA-Boss Gianni Infantino international sein Profil geschärft. Er wolle in seinem neuen Amt „den Finger immer wieder in die Wunden legen“, kündigte Neuendorf im Januar an. „Es wird darauf ankommen, dass wir als Europäer Allianzen bilden. Dass wir bestimmte Vorgänge in der FIFA kritischer hinterfragen, unsere eigenen Interessen zum Ausdruck bringen, indem wir Anträge stellen und eigene Initiativen lostreten.“

Bereits seit April des vergangenen Jahres waren die DFB-Pläne klar. Peters hatte nach der gegen Neuendorf verlorenen Präsidentschaftswahl ebenso sein Amt zur Verfügung gestellt wie Koch im UEFA-Exekutivkomitee. Doch sie mussten oder durften erst mal in ihren internationalen Ämtern bleiben – schließlich standen im Jahr 2022 keine Neuwahlen an. Für das Exko-Mandat wählte das DFB-Präsidium BVB-Boss Watzke aus, der als Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball Liga (DFL) zugleich auch DFB-Vizepräsident ist.

Grundsätzlich steht keinem Verband ein Mandat zu, doch Watzke ist einziger Bewerber auf die zwei Restjahre von Peters. Für die sieben auf vier Jahre befristeten Mandate gibt es dagegen sogar elf Bewerber, darunter mit der Norwegerin Lise Klaveness erstmals eine Verbandspräsidentin.

Eine reine Formalie wird dagegen mangels Gegenkandidat die Wiederwahl des UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin, der DFB kündigte bereits seine Unterstützung an. Der Slowene hatte sich 2016 bei der Wahl zur Nachfolge von Michel Platini gegen den Niederländer Michael van Praag durchgesetzt, schon bei der ersten Wiederwahl 2019 gab es keinen Gegenkandidaten. Er gilt als Gegenentwurf zum immer wieder aneckenden Infantino. „Wir arbeiten zusammen, aber wir kommunizieren kaum miteinander“, sagte Ceferin über das abgekühlte Verhältnis: „Ich muss ja nicht so viel mit ihm reden, das brauche ich nicht. Ich verteidige die europäischen Interessen, dafür setze ich mich ein. Ansonsten streite ich mich nicht mehr mit ihm.“  sid

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