EHC gerät in der Halbfinalserie in Rückstand

von Redaktion

Zwei schwache Drittel beim 3:5 gegen Wolfsburg – Söderholms Vertrag in Bern aufgelöst

VON GÜNTER KLEIN

München – Aufholjagden sind die Spezialität des EHC München, doch auch dem souveränen Hauptrundensieger der Deutschen Eishockey Liga (DEL) glückt nicht eine jede. Zu spät jedenfalls kam die Steigerung im dritten Spiel des Halbfinales gegen Wolfsburg: München verlor 3:5 (0:0, 2:4, 1:1) und geriet in der Best-of-Seven-Serie mit 1:2 in Rückstand.

Die Leistung, die der EHC über weite Strecken bot, war eigentlich nicht zu erklären. Die Münchner hätten fitter sein müssen als die Wolfsburger mit ihrem kleineren und weniger gut besetzten Kader, zudem hatten sie eine ausverkaufte Halle (5728 Zuschauende) hinter sich – doch sie wirkten gehemmt, nervös; das Spiel machten die Grizzlys Wolfsburg. Im ersten Drittel brachte München nur sieben Schüsse aufs gegnerische Tor, die Niedersachsen hatten die klareren Chancen. Im zweiten Drittel zogen sie glatt davon. Machacek – 1:0 für Wolfsburg (23.). Mingoia – 2:0 (29.), da wirkte EHC-Nationaltorwart Mathias Niederberger indisponiert. Archibald dann sogar mit dem 3:0 (34.), die Münchner ließen es einfach geschehen.

Mit dem 1:3 durch Yasin Ehliz nach 19 Sekunden Powerplay (38.) kam emotionale Bewegung in die Partie, es geschah im Takt weniger Sekunden immer wieder was: Justin Schütz vom EHC verkantete an der Bande und fuhr verletzt raus, Wolfsburgs Keeper Dustin Strahlmeier ließ einen Materialschaden (gerissener Schnürsenkel) richten – was Münchens Trainer Don Jackson zu lange dauerte, er wurde daher bei den Schiedsrichtern Frano und MacFarlane vorstellig. Tore fielen auch noch: eines für die Grizzlys (Morley/39), eines für den EHC (DeSousa(40), Zum 2:4-Rückstand sagte Maxi Kastner: „Wir müssen alles besser machen, Wolfsburg einschnüren.“

München befeuerte sich mit dem 3:4 durch Redmond (45.), Machacek löschte mit dem Kontertor zum 3:5 (50.). Danach ballerte der EHC wild, aber vergebens. Weiter geht’s am Donnerstag in Wolfsburg.

Was die mittelfristige Zukunft des EHC München betrifft, ergab sich am Dienstagabend in der Schweiz wieder mal eine interessante Nachrichtenlage. Der SC Bern verkündete die Trennung von Toni Söderholm. Der frühere Münchner Verteidiger (Deutscher Meister 2016), Co- und Entwicklungstrainer, der erst im November 2022 das Amt des deutschen Bundestrainers für den Job beim Traditionsclub aufgegeben hatte, ist also früh wieder auf den Markt gespült worden – und ein natürlicher Anwärter, falls sich in München Don Jackson in den Ruhestand begeben sollte. Interessant ist dieses Detail: SC Bern und Söderholm hatten sich bei Abschluss ihres Vertrags vor viereinhalb Monaten auf eine beidseitige Ausstiegsmöglichkeit nach dieser Saison verständigt. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Biel war die Berner Begeisterung für den Finnen verflogen – und vielleicht hatte Söderholm schon länger das Jackson-Erbe in München im Sinn.

Zufälligerweise war Dominik Kahun gestern zu Gast in München. Der ehemalige EHC-Stürmer (2014 bis 18) und Ex-NHL-Crack spielt nun beim SC Bern, Toni Söderholm war also sein Mitspieler und Trainer. Mit wissendem Schmunzeln meinte er: „Toni ist sehr, sehr nahe an München. Er würde passen.“

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