Lissabon – Einträchtig saßen Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke beim Länderspiel der deutschen Nationalelf jüngst an der Seite von Rudi Völler auf der Tribüne. Geschlossen wollen die Spitzenfunktionäre beim UEFA-Kongress in Lissabon auch ungeachtet der scharfen Töne von Watzke Richtung DFB in die internationalen Entscheiderzirkel einziehen – und die Zeit der deutschen Unstetigkeit beenden. „Wir müssen versuchen, mehr Kontinuität zu schaffen“, sagte DFB-Präsident Neuendorf. „Das hat auch viel mit Vertrauen zu tun. Es ist unser Anspruch, dass wir da Stabilität bekommen.“
So reibungslos geht es im Binnenverhältnis der beiden deutschen Fußball-Organisationen jedoch nicht zu. Grund ist eine heikle Geldfrage rund um den sogenannten Grundlagenvertrag, der im Sommer ausläuft. „Exorbitant“ seien Forderungen des DFB für die neue Vereinbarung über Zahlungsflüsse mit der Liga, schimpfte Multifunktionär Watzke zuletzt überraschend deutlich in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Die Liga dürfe nicht „die Vollkaskoversicherung für die Fehler des DFB in der Vergangenheit“ sein, sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund der qua Ligaamt zugleich auch 1. DFB-Vizepräsident ist. Im Falle gescheiterter Verhandlungen drohe sogar der Gang vors Schiedsgericht.
Wird die sich anbahnende Zerreißprobe nun zum Stimmungstrüber für den Auftritt auf internationalem Parkett in der portugiesischen Hauptstadt? „Wir hatten nach diesem Interview ein sehr gutes Gespräch, einen sehr guten Austausch“, beschwichtigt Neuendorf. „Das werden wir jetzt fortführen und weiter seriös an Lösungen arbeiten.“ Die Amateurvertreter im DFB-Präsidium haben dem Vernehmen nach die Aussagen Watzkes zumindest mit Verwunderung registriert. Die DFL säge „den Ast ab, auf dem sie sitzt – und darum ist die Stärkung der Landesverbände durch eine höhere Unterstützung der DFL sehr wohl auch im Interesse des Profifußballs“, sagte der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel. dpa