Stuttgart – Sebastian Hoeneß trat am Dienstagmittag entschlossen vor sein verunsichertes Team. Der neue Trainer des krisengeplagten VfB Stuttgart vermittelte bei seiner kurzen Antrittsrede „zwei, drei klare Botschaften“ – dann startete er voller Zuversicht in eine Mission, die es in sich hat. Die vielen Probleme seines am Boden liegenden Herzensvereins blendete Hoeneß jedoch aus. „Die Tabelle zeigt, dass es Themen gibt. Aber ich möchte nach vorne schauen. Wir haben in dieser Woche eine Riesenchance, eine Umkehr und einen Stimmungsumschwung hinzubekommen“, betonte der 40-Jährige. „Alles andere ist für mich nicht relevant und Zeitverschwendung.“
Und Zeit hat Hoeneß nun wirklich nicht, um den VfB auf das Pokal-Viertelfinale am Mittwoch (18.00 Uhr/Sky) beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg, vor allem aber auf das wegweisende Kellerduell des Tabellenletzten in der Liga am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) beim VfL Bochum vorzubereiten. Er hoffe, sagte Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, dass es Hoeneß schaffe, „aus Spielern, die zu sehr zweifeln, Kratzer und Beißer zu machen. Es geht darum, die Mannschaft wachzurütteln“.
Hoeneß ist nach Pellegrino Matarazzo, Michael Wimmer und Bruno Labbadia, der am Montag wenig überraschend entlassen wurde, bereits der vierte Trainer, der sich in dieser Saison versuchen darf. Der Druck ist riesig, ein erneuter Abstieg würde den Traditionsverein bis ins Mark erschüttern. Doch Hoeneß war sichtlich bemüht, Optimismus zu verbreiten. Das Pokalspiel beim Club bezeichnete er als „Riesenchance für uns als Club und Mannschaft, einen nächsten Step in Richtung Berlin zu machen“. Und sein seit fünf Spielen siegloses Team? Da sehe er natürlich „viel Potenzial und hohe individuelle Qualität. Ich sehe eine Mannschaft mit Stärken, um die nächsten Aufgaben zu bestehen.“ In Nürnberg gehe es darum, „unangenehm zu sein und geschlossen zu agieren“. Dabei auch „mutig und offensiv“.
Bei seiner letzten Station in Hoffenheim konnte Hoeneß seine Ideen nicht mehr vermitteln. Zum Saisonschluss gab es neun Spiele ohne Sieg, die TSG löste im Sommer 2022 den Vertrag. Nun bekommt Hoeneß, Sohn von Dieter und Neffe von Uli Hoeneß, bei „seinem“ VfB eine zweite Chance in der Bundesliga. Für ihn sei dies „ein besonderer Club. Ich hab’ hier als kleiner Steppke mitgefeiert und mitgelitten, habe das Wappen als Jugendspieler drei Jahre auf meiner Brust getragen“, betonte Hoeneß. Er habe „wundervolle Erinnerungen. Der VfB ist Emotion für mich.“ Die im unruhigen VfB-Umfeld ganz schnell negativ werden könnte. sid