Mia san raus

von Redaktion

Dramatisches Pokal-Aus gegen Freiburg: Bayern verliert 1:2 in letzter Minute

VON HANNA RAIF UND MANUEL BONKE

München – Der Blick vor dem Anpfiff geht aktuell beim FC Bayern gerne an den Spielfeldrand. Und da stand gestern Abend mal nicht Lothar Matthäus am Mikrofon, sondern Bastian Schweinsteiger. Ein anderer TV-Experte – der aber ähnliche Worte wählte. „Das mia san mia ist ein bisschen abhandengekommen“, sagte der ehemalige Kapitän vor dem Viertelfinale im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg. In den 90 Minuten, die folgten, konnte die Mannschaft von Thomas Tuchel ihn nicht vom Gegenteil überzeugen. Die Partie endete 1:2 (1:1) – und der Traum vom Triple platzte nach Elfmeter durch Lucas Höler in allerletzter Sekunde.

Thomas Tuchel zog mit Schlusspfiff seine Handschuhe aus, der neue Coach war bedient. Zwar waren die Bayern im zweiten Spiel unterihm nach 20 Minuten durch Dayot Upamecano in Führung gegangen, unverdient aber war der schnelle Ausgleich durch Nicolas Höfler (27.) schon nicht. Tempo, Dominanz, Spielfreude, Effizienz – zeitweise erinnerte in diesem K.o.-Spiel wenig an den fulminanten Start, den die Bayern unter dem neuen Coach beim 4:2 gegen Dortmund hingelegt haben. Als Schiedsrichter Osmers dann in letzter Minute auf den Punkt zeigte, war das Schlamassel perfekt. Das Pokalfinale in Berlin findet zum dritten Mal hintereinander ohne Bayern statt.

Tuchel wollte alles richtig machen und war daher gut beraten, an seiner ersten Bayern-Elf vom Samstag wenig zu ändern. Lediglich Joao Cancelo rotierte für Alphonso Davies ins Team, zudem tauschten Leroy Sané und Kingsley Coman zunächst die Seiten. Von rechts aus brachte der Franzose auch den ersten Ball in den Strafraum, Leon Goretzka verpasste (2.). Zehn Minuten später zog dann Sané von links nach innen, schoss aber knapp vorbei. Ansonsten spielte sich das Geschehen in der Anfangsphase viel im Mittelfeld ab. Freiburg stand kompakt, während die Bayern sich schwertaten, aus dem Zug zum Tor zwingende Chancen zu kreieren.

Cancelo, der die Arena früh mit einem Kabinettstückchen zum Raunen brachte, schaltete sich deutlich mehr ins Offensivspiel ein als sein Gegenüber Benjamin Pavard, aus dem Spiel aber passierte lange nicht viel. Dass das 1:0 aus einem Standard fiel, war gar nicht Bayern-like, wurde aber gerne genommen. Nach einer Ecke von Joshua Kimmich stieg Upamecano am Fünfmeterraum am höchsten und setzte den Ball per Kopf neben den rechten Pfosten ins Tor. Der Freiburger Protest wegen Aufstützen blieb unerhört, der Treffer zählte. Weil die Bayern es aber verpassten, durch den unglücklichen Müller nachzulegen, fassten sich die Gäste ein Herz. Coman klärte ungenügend, Höfler nahm die Kugel an und zog aus 25 Metern ab. Ein Schuss der Kategorie „Tor des Monats“, unhaltbar: 1:1.

Die Bayern hatten gute Momente (22. Goretzka, 45. Konter über Upamecano und Müller, 45.+1 Müller), ein Tor gelang aber nicht. Auch nach dem Seitenwechsel tat sich das Tuchel-Team gegen die gut stehenden Freiburger schwer. Immerhin Kimmichs Standards kamen, Pavard traf nach Freistoß aber nur die Late. Die Stimmung wurde hitziger, die Arena lauter, die Bayern zwingender, Tuchel tobte. Sané (89.) vergab, und als sich alle auf Verlängerung einstellten, berührte die Hand des eingewechselten Jamal Musiala im Strafraum den Ball. Höler traf zum 2:1, die Bayern raus. Was das für das mia san mia bedeutet, wird sich ab jetzt zeigen. Ungemütliche Zeiten!

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