München – Als Michael Diederich 2015 zum Vorstand der UniCredit wurde, war sein Einzelbüro bereits bezugsfertig. Eigene vier Wände für einen der wichtigsten Männer im Konzern, das gehört sich so in der Wirtschaft. Aber Diederich hatte andere Pläne. Der Mann, der seit Samstag im Vorstand des FC Bayern sitzt, suchte sich einen Platz inmitten des Handelsraumes. „Den Pulsschlag des Teams“ wollte er fühlen, verriet er jetzt im Mitgliedermagazin „51“ – und praktisch war auch: „Ich musste nie sagen, dass meine Tür offen ist, ich hatte ja gar keine.“
Der Alltag bei einem Fußballverein ist ein anderer als in einem großen Bankenhaus (was nicht nur an der Bilanzsumme liegt). Und trotzdem, das merkt man schon an den ersten Tagen, will der 57-Jährige, der ab dem 1. Juli den scheidenden Jan-Christian Dreesen als stellvertretender Vorstandsvorsitzender beerbt, seinem Stil treu bleiben. „Unmittelbarer Kontakt“, sagt er, ist ihm wichtig, gleich zum Start in die Woche lud er die Mitarbeiter zu einem Weißwurstfrühstück ein. Er will zu allen, die in und um seinen Lieblingsverein („Erfüllung eines Kindheitstraums“) wirken, einen persönlichen Draht aufbauen, die Wege kurzhalten. Mit Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic und Andy Jung verbinde ihn „ein freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis“, sagt er. Und der gebürtige Koblenzer hat dasselbe Ziel wie seine Vorstandskollegen: „Sportlicher Erfolg und wirtschaftliche Vernunft in Einklang bringen.“
Bei diesem Leitspruch hält er es ganz wie Vorgänger Dreesen, der ihm „ein gut bestelltes Haus übergibt“. Diederich will „diese Erfolgsgeschichte nahtlos fortzusetzen“ und lächelt, als er hinzufügt: „Mit Open End.“ Er blickt weit voraus, auf „vielschichtige Herausforderungen für den Fußball vom Investorenthema über Digitalisierung bis hin zur Nachhaltigkeit“. Dabei schließt er einen „100-Millionen-Euro-Transfer“ für die Zukunft „nicht kategorisch aus“, stellt aber 50+1 infrage („nicht dogmatisch festhalten“). Der Mann hat klare Meinungen – und will kein Risiko scheuen, solange es „kalkulierbar und kontrollierbar“ ist. Klingt solide, und wird auf Nachfrage sicher vertieft. Bei der nächsten Weißwurst oder einfach: bei offener Tür. hlr