München – Bis am Mittwochmorgen die Sonne aufging, hatten die Spieler des FC Bayern nicht viel Schlaf abbekommen. So ein Pokal-Abend zieht sich, und er zieht sich noch deutlich länger, wenn die Gedanken im Bett sich nach einer Niederlage mit dem Warum beschäftigen müssen. Ein besonders großes Fragezeichen im Kopf hatte Jamal Musiala zu bearbeiten, dessen Hände im Strafraum für den Last-Minute-K.o. gegen den SC Freiburg gesorgt hatten. Thomas Müller hatte dem Pechvogel folgende Worte mit auf den Weg gegeben: „Er kriegt unsere Unterstützung. Aber er muss die Nacht überstehen.“
Die gute Nachricht gab es am Mittwoch: Musiala, der nach Abpfiff des 1:2 im Pokal-Viertelfinale noch untröstlich schien, hat die dunklen Stunden hinter sich gebracht. Auf Instagram meldete er sich zu Wort und schrieb: „Die Aktion vor dem Strafstoß war unglücklich und ärgert mich am meisten, das dürft ihr mir glauben.“ Er blickt aber nach vorne – und kann bei der Frustbewältigung auch auf die Unterstützung der Kollegen zählen. Die Worte von Trainer Thomas Tuchel – „heutzutage darfst du so nicht mehr reinspringen. Das darfst du einfach nicht machen. Du nimmst da ein wahnsinniges Risiko“ – wurden schon nach Abpfiff vom Zuspruch der Mitspieler relativiert. Einen echten Vorwurf wollte dem 20-Jährigen niemand machen. Im Gegenteil.
„Wir werden für ihn da sein, wir stehen da zusammen“, sagte etwa Müller, der den eingewechselten Nationalspieler schon auf dem Rasen aufbauen wollte. Als Musiala vor dem Gang zu den ebenso enttäuschten Fans abdrehte, überzeugte ihn der Kapitän vom Verbleib in der Kurve. Wie enttäuscht Musiala war, konnte man in diesen Minuten, in denen er sogar Freiburgs Trainer Christian Streich den Handschlag verweigerte, mehr als deutlich sehen. Er wusste ja selbst, wie „unglücklich“ die Aktion gewesen war, in der er sich mit zwei nach oben gerissenen Armen in den Ball von Nicolas Höfler geworfen hatte. Es gab keine zwei Meinungen, Matthijs de Ligt sagte: „Ich stand direkt dahinter. Ich habe gleich gedacht, dass das ein Elfmeter ist.“
Die Rolle des Unglücksraben ist neu für Musiala, er will sich nicht daran gewöhnen. Daher wies auch Leon Goretzka gleich auf die „vielen Punkte, Tore und schönen Momente“ hin, „die Jamal uns schon beschert hat“. Situationen wie jene aus der 93. Minute gehören dazu in „jungen Karrieren“, sagte der Mittelfeldkollege und stellte den „gefestigter Charakter“ von Musiala heraus. An Rückschlägen wächst man, das wird auch bei ihm passieren. Und an schlaflosen Nächten sowieso. Streich bekommt Musialas Trikot
Was den Vorfall mit Streich betrifft, will Musiala gleich am Samstag „Wiedergutmachung“ betreiben. Er hat angekündigt, dem SC-Trainer, mit dem er sich bereits ausgesprochen hat, beim Wiedersehen beim Ligaspiel in Freiburg sein Trikot zu schenken. hlr, bok