Madrid – Irgendwann in Halbzeit zwei war in der Madrider Arena die Zeit für neue Beschäftigungen gekommen. Die Fangemeinde hatte auf der Tribüne den früheren Fußball-Star Raul ausgemacht. Der dreimalige Champions-League-Sieger durfte eifrig Autogramme pinseln und lächelnd für Selfies posieren. Auf dem Feld hatten sich die Dinge derweil längst geregelt. Am Ende stand ein lockeres 79:67 (40:36) über den FC Bayern. Das Münchens Trainer Andrea Trinchieri vergleichsweise nachsichtig zur Kenntnis nahm. „Wir haben hier mitgespielt, wir haben hart gekämpft“, sagte er, „aber sie waren besser und sind eines der besten Teams.“
Es ist ziemlich auffällig, dass der Italiener diese letzten Auftritte seines Ensembles in Europa anders bewertet. Klar, das Playoff-Rennen ist seit langem abgehakt, man ist weiter personell angeschlagen – in Madrid bot man „ohne vier“ sogar nur elf Akteure auf. Letztlich dürfte auch Trinchieri vor allem froh sein, dass diese Euroleague-Spielzeit bald Vergangenheit ist. Am Freitag tritt Zalgiris Kaunas im Audi Dome an. Für die Litauer geht es dabei noch um den Sprung auf Playoff-Platz acht. Netter Zufall – gegen Zalgiris hatten die Bayern ja vor zwei Jahren ihrerseits erstmals den Einzug in die Finalrunde perfekt gemacht. So gesehen nimmt man also noch einmal am Playoff-Rennen teil, dann können sich die Bayern voll aufs nationale Titelrennen in der Bundesliga konzentrieren.
Man nimmt dorthin fürs Erste nur die kleinen Lichtblicke mit. Die Ausnahmeform von Andreas Obst etwa. Wie selbstverständlich versenkte der Nationalspieler (21 Punkte), den die Statistik als besten Dreierschützen der Königsklasse ausweist, auch in Madrid nicht weniger als sieben seiner zehn Versuche aus der Distanz. Die Münchner Macher um Basketball-Chef Marko Pesic werden sich entsprechend zufrieden die Hände reiben, dass man ihn vor einigen Wochen vorzeitig für weitere drei Jahre an den Club band. Im Falle von Zylan Cheatham ist der Club noch nicht so weit. Doch der fliegende Forward aus Phoenix sammelt fleißig Argumente dafür, es zumindest zu versuchen. Der 27-Jährige absolviert den Crashkurs in Sachen europäischer Basketball (Trinchieri: „Er ist wie gemacht dafür“) im Eiltempo. Mit seiner Physis war Cheatham (20 Punkte) auch gegen die lange Garde des derzeitigen Euroleague-Zweiten aus Madrid ein gutes Argument. Es lag vor allem an ihm (8 Rebounds), dass die Bayern Real zumindest das Rebound-Duell abzwackten.
Allerdings konnte halt auch Cheatham nichts daran ändern, dass die Bayern in der spanischen Hauptstadt nach dem Wechsel den Anschluss verloren. Die Gastgeber machten die Wege zum Korb besser dicht, aus der Distanz verloren die Münchner merklich an Präzision. Freiwürfe können in so einer Situation helfen um im Rennen zu bleiben. Doch an die Linie durfte man an diesem Abend nur ganze fünfmal – kein Faktor auf diesem Niveau.