„Ich habe Bock aufs Grünwalder“

von Redaktion

Osnabrück-Coach Schweinsteiger über das Löwen-Duell und den FC Bayern

München – An diesem Samstag kehrt Tobias Schweinsteiger ins Grünwalder zurück, spielt dort mit seinem VfL Osnabrück gegen den TSV 1860. Im Interview spricht der 41-Jährige über das Spiel gegen die Löwen und den Münchner Fußball.

Herr Schweinsteiger, im September haben Sie unserer Zeitung gesagt, sie werden im April Bock aufs Rückspiel gegen den TSV 1860 haben. Steht das noch?

Klar! Das Spiel an der Bremer Brücke war geil, und jetzt im Grünwalder wird es auch geil. Ich mag das Grünwalder, die Stimmung dort. Ich bin das erste Mal als Cheftrainer dort und habe Bock drauf. Ich hoffe, dass die Sonne scheint und wir am Ende die Lila-Weißen etwas lauter feiern hören.

Sie haben den VfL aus dem Tabellenkeller geführt und innerhalb von sieben Monaten aus einem Abstiegs- einen Aufstiegskandidaten gemacht. Wie stellt man so etwas an?

Wir arbeiten einfach sehr hart. Nicht nur fußballerisch, sondern auch was Mannschaftsstruktur und Rollenverteilung angeht. Ich verlange von meiner Mannschaft, auf allerhöchstem Level zu arbeiten. Das leben meine Co-Trainer und ich auch vor. Einige von meinen Spielern hatten das schon drin, andere noch nicht. So etwas hängt auch davon ab, wo man vorher gespielt hat oder mit wem man zusammengearbeitet hat. Die Jungs ziehen sehr gut mit, haben sich deutlich verbessert, was Professionalität, Vor- und Nachbereitung der Trainingseinheiten angeht.

Ein besonderes Spiel für Sie, das ist anzunehmen. Sind Sie eigentlich ein Roter oder ein Blauer?

Da würde ich mich gar nicht explizit festlegen. Ich mag beide Vereine, beide hatten coole Zeiten und haben aktuell weniger coole Zeiten. Wenn sie gegeneinander spielen würden, weiß ich gar nicht, für welchen Club ich wäre. Aber darüber muss man sich ja aktuell auch keine Gedanken machen (lacht).

Bei den Bayern-Amateuren sind Sie Publikumsliebling.

Ja, trotzdem. Was jetzt gerade stattfindet, was besprochen wird, dass sich beim FCB alles in eine Richtung entwickelt, die viele Fans nicht so schön finden… Dieses Gefühl hatte ich vor fünf, sechs Jahren schon. Der Umgang, das Miteinander im Verein ist nicht mehr so wie früher. Ich finde schon, dass das „Mia san mia“ schwindet.

Wie gut, dass Sie Mitglied im Löwen-Fanclub „Wendelstein Löwen“ sind.

Ich mag Sechzig, war immer gern als Zuschauer da. Klar, wenn du bei Bayern bist, gehört es irgendwie dazu, mit dieser Rivalität zu spielen. Aber ich mag den Verein wirklich. Und überhaupt wird das Spiel in München jetzt besonders, weil es in meiner zweiten Heimatstadt stattfindet. Ich habe schon mal in der Allianz Arena gespielt, aber das Grünwalder hat deutlich mehr Charme.

Haben Sie das Ziel, irgendwann wieder in München als Trainer zu arbeiten?

Da habe ich mir noch gar keine Gedanken drüber gemacht. Näher an der Heimat wäre es natürlich. Vor der Haustür mal zu trainieren, ist für die Familie am schönsten. Das ist aber natürlich erstens nicht einfach, einen passenden Club zu finden. Und zweitens spricht aktuell viel dafür, mich hier in Osnabrück zu entwickeln. Ich habe mit unserem Sportdirektor und dem Geschäftsführer zwei klare Ansprechpartner, keine verschiedenen Gesellschafter mit verschiedenen Interessen. Ein Riesenvorteil!

Sie sind schon viel rumgekommen. Ist Oberbayern noch Heimat für Sie?

Das ist es und das bleibt es. Das lege ich hier oben im Norden auch nicht ab. Und sprachlich falle ich manchmal schnell ins Bairische zurück.

Und das sorgt dann für schräge Blicke?

Nein, nicht mehr. Auch ans Panorama-Fernsehen haben sich hier jetzt alle gewöhnt. Das läuft bei mir jeden Tag bis halb zehn. Das ist meine Art, mir das Stück Heimat, die Berge, hierhin zu holen.

Interview: Jacob Alschner

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