Von der Beklemmung zur Befreiung

von Redaktion

Der EHC München kämpft gegen starke Wolfsburger – und die Prognose einer Hellseherin

VON GÜNTER KLEIN

München – Sie legt Karten, sie blickt in die Kugel, hantiert mit einem Pendel – Katarin Pertold hat das ganze Repertoire einer Wahrsagerin und Hellseherin drauf. Mit Sport hat die Münchnerin eigentlich nichts am Hut, dennoch wurde sie vom Sender Magentasport schon im zweiten Jahr um eine Prognose für die Playoffs in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gebeten. 2022 hatte sie treffsicher auf die Eisbären Berlin als Meister gesetzt, und ihre Vorhersage für 2023 könnte sich noch immer erfüllen. Zwar vertat Katarin Pertold sich bei den Pre-Playoffs (da kamen nicht Frankfurt und Nürnberg, sondern Düsseldorf und Bremerhaven weiter), doch mit der Halbfinalbesetzung liegt sie wieder richtig. Ihr Finale lautet – und das verriet sie schon vor einem Monat in der „Eishockey-Show“ von Magentasport – ERC Ingolstadt gegen Grizzlys Wolfsburg. Sieger dann, da energetischer: Ingolstadt.

In beiden Serien, die nun laufen, steht es nach vier Runden der Best-of-Seven-Serie 2:2. Und es geht verrückt zu: Zwischen Ingolstadt und Mannheim gab es ausschließlich Auswärtssiege, und auch bei München – Wolfsburg wurde der Heimvorteil aufgehoben: Der EHC hatte am Dienstagabend in seiner Olympia-Eishalle 3:5 verloren, konnte aber am Gründonnerstag bei den Grizzlys mit einem 3:1-Erfolg kontern und die Serie vor dem nächsten Durchgang (Karsamstag, 15.15 Uhr, in München) ins Gleichgewicht bringen. Das Spiel war ein schönes Beispiel für – aus Münchner Sicht – den Wandel von Beklemmung zu Befreiung.

Der EHC spielte gut, fing sich aber 33 Sekunden vor Ende des ersten Drittels aus dem Nichts das 0:1, ein eher belangloser Schlenzer von Dave Archibald flatterte über die Fanghand von Münchens Torhüter Mathias Niederberger ins Netz. Auch im zweiten Drittel stand die Wolfsburger Mauer, das Team von Trainer Mike Stewart machte alles richtig, die Aktionen kündeten von tiefer Überzeugung der Spieler. Doch mit Beginn des letzten Abschnitts änderte sich die Statik des Spiels: Ben Smith mit einer Einzelleistung unter Gegnerdruck nach 30 Sekunden und Kony Abeltshauser mit einem Schlagschuss (45. Minute) stellten auf 2:1 für den EHC. Als die Scheibe einschlug, sah man Münchens Stürmer Chris DeSousa auf im Eishockey völlig unübliche Weise jubeln – mit einem Freudensprung. Das 3:1 durch Yasin Ehliz 17 Sekunden vor dem Ende war ein Empty-net-goal, weil Wolfsburg volles Risiko ging, ohne Torwart spielte (und noch einen Pfostenschuss hatte).

„Beim 1:1 hatten wir das Gefühl: Der Knoten ist geplatzt“, sagte Angreifer Justin Schütz. 1:2-Serien- und 0:1-Spielrückstand hatte auch er als kritische Lage bewertet. „Aber gewonnen ist gewonnen jetzt. Es ist schon eine kleine Last runtergefallen.“

„Wir haben gewusst, dass es enge Spiele werden“, erklärte der Wolfsburger Luis Schinko. Er fand: „Unsere Defensive war ganz gut, aber zum letzten Drittel waren wir nicht ganz bereit.“ Also werden die Grizzlys versuchen, die Konzentration am Samstag noch weiter hochzuschrauben. Was jetzt schon klar ist: Auch ein Spiel sechs wird es geben, am Ostermontag (15.15 Uhr) in Wolfsburg. Wo hinterm Tor ein Riesenbanner hängt: „Fest entschlossen dem Süden entgegen – Gemeinsam ganz Bayern erlegen.“ Im Viertelfinale hatten die Grizzlys Straubing, jetzt messen sie sich mit München, und glaubt man Katrin Pertold, kommen sie ins Finale und werden Ingolstadt zum Gegner haben.

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