Dallas – Die Dallas Mavericks um Topstar Luka Doncic verpassen nach einem 112:115 gegen die Chicago Bulls die NBA-Playoffs – es war keine große Überraschung mehr, was in der Nacht zu Samstag Realität wurde. Die Umstände der Niederlage zum Ende einer bizarren Saison sorgten allerdings für reichlich Gesprächsstoff, das Unwort „Tanking“ machte die Runde. Das blieb auch der Liga nicht verborgen – deswegen droht den Mavs nun Ärger.
Die Club-Verantwortlichen hätten sich „für eine Kursänderung entschieden“, räumte Dallas-Headcoach Jason Kidd schon vor der Partie ein. Damit erklärte der 50-Jährige die Entscheidung, fünf etablierte Spieler um Nationalspieler Maxi Kleber und Co-Star Kyrie Irving in dieser entscheidenden Begegnung zu schonen. Lediglich der slowenische Superstar Doncic bekam ein paar Minuten Einsatzzeit – wohl, um das Publikum in Dallas bei der lange zuvor ausgerufenen „I Feel Slovenia Night“ nicht vollends zu enttäuschen.
Die Liga hat nun eine Untersuchung eingeleitet. Sollte sich der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung durch „Tanking“ – das bewusste Verlieren für eine bessere Position im Talente-Draft – erhärten, drohen heftige Strafen.
NBA-Commissioner Adam Silver hatte bereits zu Beginn dieser Saison darauf hingewiesen, dass die Liga dem Thema besondere Aufmerksamkeit schenken werde und dabei sogar eine Zwangsrelegation in die D-League, die Entwicklungsliga ins Spiel gebracht. Auch wenn der Liga-Boss dieses Szenario anschließend als unrealistisch bezeichnete, zeigt es doch, dass die Liga das Problem angehen will. Noch dazu wären die Texaner „Wiederholungstäter“, Mavs-Besitzer Mark Cuban war bereits 2018 eine Strafe von 600 000 Dollar aufgebrummt worden, weil er sich bezüglich Tanking zu offensichtlich geäußert hatte.
MVP-Kandidat Doncic dürfte von seinem Kurzeinsatz gegen die Chicago Bulls überrascht gewesen sein, nachdem er am Dienstag noch gesagt hatte: „So lange wir eine Chance haben, werde ich spielen.“
Nach dem spektakulären Trade von Kyrie Irving war bei den Texanern eigentlich alles auf den Gewinn der zweiten Meisterschaft nach dem Triumph von Dirk Nowitzki 2011 ausgelegt gewesen. Mit dem umstrittenen Irving gewannen die Mavericks allerdings nur neun von 25 Spielen, rutschten von Platz vier in der Western Conference auf Rang elf ab – und nahmen das Verpassen des Play-in-Turniers letztlich billigend in Kauf. In den Schlusssekunden stand gegen Chicago eher die dritte als die zweite Garde auf dem Parkett, vier Dreierversuche in Folge blieben ohne Erfolg, das Spiel ging verloren.
Nun müssen die Mavs erst einmal das Ergebnis der Liga-Untersuchung abwarten. Was die neue Saison betrifft, kündigte Coach Kidd schon einmal an, dass vom bisherigen Team „viele Leute nicht zurückkommen werden“. Welche Leute das sein werden, sagte er nicht. sid