Das Halbfinale bekommt einen siebten Akt

von Redaktion

Wolfsburg gleicht Serie gegen München aus – EHC-Stürmer Eder: „Wir machen Geschenke“

VON GÜNTER KLEIN

Wolfsburg/München – Das sind die Playoffs in ihrer reinsten Form: ein Drama in sieben Akten. Zwischen dem EHC München und den Grizzlys Wolfsburg gibt es am Mittwoch ein entscheidendes Spiel, für beide heißt es „Do or die“, gewinne oder scheide aus. 3:3 steht es, nachdem Wolfsburg, der Außenseiter, seine Niederlage im fünften mit einem 3:2-Sieg im sechsten kompensieren konnte. „Bitter für uns“, sagte EHC-Stürmer Yasin Ehliz, kündigte aber an: „Wir brennen.“ Bereits für das Finale qualifiziert: Der ERC Ingolstadt nach dem entscheidenden 2:0-Sieg bei den Adlern Mannheim.

Am Samstag hatte sich Wolfsburgs Trainer Mike Stewart mit demonstrativem Optimismus aus München verabschiedet. Er sagte: „Wir freuen uns auf die Herausforderung am Montag.“ Demonstrativ drückte der Kanadier mit der österreichischen Sprachfärbung das Kreuz durch, auch der Körper sollte sprechen: „EHC München, du kannst uns nicht brechen.“ Trotz dieser aus Sicht der Grizzlys unverdienten Niederlage in Spiel fünf der Serie: In der vierten Minute der Verlängerung hatte der bis dahin überragende Tyler Morley mit einem Fehlpass auf den Münchner Kapitän Patrick Hager die 2:3-Niederlage und somit den 2:3-Rückstand nach Spielen begünstigt. Kann man so etwas verkraften?

Ja, Morley kam damit klar – und auch die Mannschaft um ihn herum. Sie war in der Lage, auch in der sechsten Partie mit Hauptrundensieger München Augenhöhe herzustellen. Dass die Niedersachsen auf einmal auseinanderbrechen würden, damit hatte beim EHC München allerdings auch niemand gerechnet. „Da gibt’s keine Überraschungen mehr“, meinte Patrick Hager, „auf Video- und Eisebene ist zwischen uns alles zerkleinert.“ Die Halbfinalisten kennen sich inzwischen in- und auswendig. Und es ist klar: Der EHC wird ein Plus an Spielanteilen und Schüssen haben, doch Wolfsburg hat in Dustin Strahlmeier einen Torhüter, der diese Vielbeschäftigung mag, und ist vorne gnadenlos effektiv. Zudem: Der erwartete Kräfteverschleiß, der beim dünneren Kader der Grizzlys erwartet wird, tritt einfach nicht ein.

München hatte die klareren Chancen, doch Wolfsburg legte vor: Trevor Mingoia (18.) zum 1:0, Tyler Morley ließ das 2:0 folgen (22.), dafür reichten den Grizzlys sieben Schüsse (während der EHC zu diesem Zeitpunkt bereits 23 Mal geballert hatte). Das war der Vorrat, von dem Wolfsburg zehrte. Ein entscheidender Moment noch: Nach dem fein herausgespielten Münchner Anschlusstreffer durch Andi Eder im Powerplay (34.) nutzte Wolfsburg den Raum, der sich bei einer Vier-gegen-vier-Situation ergab, mit einem Blitzkonter von Fabio Pfohl zum 3:1 (35.). „Wolfsburgs Tore sind unsere Geschenke“, zeterte Andi Eder beim Gang zur zweiten Drittelpause.

Mit wilder Entschlossenheit ging der EHC in die letzten zwanzig Minuten, DeSousa verkürzte nach 47 Sekunden auf 2:3. Wolfsburg kam im Schlussabschnitt nur noch auf drei Torschüsse (insgesamt waren es 14 – gegenüber 46 der Münchner), doch war in der Abwehrschlacht nicht zu schlagen. Dem EHC fehlte ein Zentimeter zum Ausgleich, als Strahlmeier den Puck mit dem Schlittschuh auf der Linie am Pfosten einklemmte (57.); der Videobeweis konnte kein Bild liefern, dass die Scheibe drin gewesen wäre.

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