München – Es hätte am Samstag in Freiburg viel über die Offensive des FC Bayern zu besprechen gegeben. Da wäre die Frage gewesen, warum Serge Gnabry angeblich so gut trainiert habe, als Sturmspitze aber nicht funktionierte. Oder jene nach der fehlenden Kaltschnäuzigkeit von Leroy Sané. Natürlich wäre auch interessant gewesen, warum Sadio Mané seit Oktober kein Treffer gelungen ist. Aber die Bayern waren zwei Tage vor der Reise nach Manchester gut beraten, lieber über die positiven Dinge in diesem Zitterspiel (1:0) zu reden. Die Abwehr also, oder in persona: Matthijs de Ligt.
Die Rolle des Matchwinners und Torschützen ist für den Niederländer, der seit Monaten auf konstant hohem Niveau spielt, nicht neu. Schon beim 2:1 in Stuttgart hatte er getroffen, bevor er seinen Status als Abwehrboss des Rekordmeisters mit einer grandiosen Rettungstat gegen Paris endgültig untermauerte. Während die Mitspieler zwischen Formschwäche und Inkonstanz pendeln, liefert de Ligt ab – egal ob Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel an der Seitenlinie steht. Das nährt die Hoffnung, dass der 23-Jährige nicht nur gegen Kylian Mbappé, Lionel Messi und Neymar bestehen konnte, sondern auch Citys Erling Haaland unter Kontrolle kriegen kann. De Ligt will den Torjäger „mit einer mannschaftlichen Topleistung“ stoppen – aber er ist das personifizierte Gegengift.
Als „sehr wichtig, aber unabhängig vom Tor“ bezeichnete Joshua Kimmich den Hintermann, auf den er sich blind verlassen kann. Auch der Regisseur ist Woche für Woche beeindruckt davon, „wie sich Matthijs in jeden Zweikampf reinhaut, da hinten organisiert, dirigiert“ – und weiß: „Das ist das, was wir brauchen, was uns sehr hilft.“ Wer neben de Ligt spielt, ist dem Nationalspieler dabei herzlich egal. Er funktioniert bestens mit Dayot Upamecano, der nach seiner Sperre in Freiburg gegen City zurückkehrt. Und er lieferte auch mit Benjamin Pavard ab, der Upamecano innen vertrat. Am Dienstag im Etihad Stadion wird wohl das Stamm-Duo gegen Haaland verteidigen, während Alphonso Davies wieder Platz machen muss. Joao Cancelo dürfte gegen seinen Stammverein auf der linken Seite spielen, Pavard rechts.
Auf eine „Top-Leistung“ stimmte de Ligt seine Kollegen ein, sie dürfen sich da ruhig ein Beispiel an ihm nehmen. Denn Lob gibt es aus allen Mannschaftsteilen – auch von hinten, wo Yann Sommer „sehr happy“ ist, „so gute Innenverteidiger zu haben, die vieles wegblocken“. Dass de Ligt zudem mit dem Schwung seines dritten Saisontores („das wichtigste“) nach Manchester reiste, beflügelte ihn zusätzlich – auch wenn er beim Treffer gegen seinen Landsmann Mark Flekken „ein bisschen Glück“ gehabt hat. 25 Meter vor dem Tor probierte er es einfach mal, der stramme Schuss war drin. Damit war ihm mehr gelungen als fünf Offensivkräften zusammen. hlr